Außer Rechnen alles gut: Nicht formale Bildung in Jugendorganisationen fördert die Beschäftigungsfähigkeit

Das Engagement in Jugendorganisationen fördert die Beschäftigungsfähigkeit junger Menschen, so eine Studie des Europäischen Jugendforums. Die Chancen steigen, wenn die dann auch noch Auslandserfahrungen und einen Youthpass oder Europass haben.

Kommunikationsfähigkeit, Fähigkeit zu Teamwork, Entscheidungsfreude, Organisationsfähigkeit und Selbstvertrauen: Das sind fünf der von Arbeitgebern begehrtesten „Soft Skills“.

Alle fünf – und damit die von Arbeitgebern gesuchte „Beschäftigungsfähigkeit“ junger Menschen - werden auch durch das Engagement in Jugendorganisationen gefördert. Je langfristiger und regelmäßiger die Mitgliedschaft in Jugendorganisationen ist, umso mehr und sicherer werden die Kompetenzen erworben.

Wenn diese Jugendlichen – immerhin 69 % der Befragten – auch noch an Aktivitäten im Ausland teilnehmen, stärkt dies zusätzlich deren Sprach- und Führungsfähigkeiten sowie interkulturelle Kompetenzen.

Pionierarbeit

Das jedenfalls fand eine Studie heraus, die das Europäische Jugendforum bei der Universität Bath in Auftrag gegeben hatte (siehe NEWS). „Die Wirkung nicht formaler Bildung in Jugendorganisationen auf die Beschäftigungsfähigkeit von jungen Menschen“ ist die Untersuchung betitelt, für die unter anderem 245 Jugendorganisationen sowie über 1.300 junge Menschen, die meisten zwischen 20 und 24 Jahren alt, befragt wurden. Sie waren alle einmal in einer Jugendorganisation und gaben nun im Nachhinein Auskunft darüber, welche Fähigkeiten und Kompetenzen sie dort erworben haben und welche Wirkungen dies ihrer Meinung nach für ihre Ausbildungs- und Arbeitsplatzsuche hatte. Außerdem wurden Interviews mit Arbeitgebern und Personalverantwortlichen geführt.

Mit der Untersuchung leisteten die Briten Pionierarbeit, denn es gibt praktisch keine Untersuchungen darüber, wie die Entwicklung von Soft Skills im Jugendsektor die Beschäftigungsfähigkeit junger Menschen beeinflusst. Soft Skills sind gut zu gebrauchen Die Studie zeigt auch, dass Arbeitgeber Soft Skills höher bewerten als technische oder kognitive Fähigkeiten wie IT-Kenntnisse oder Lesekompetenz. „Engagement in Jugendorganisationen zeigt, dass diese Personen ihre Karriere steuern wollen und nicht nur rumsitzen und warten wollen“, sagte einer der interviewten Personalverantwortlichen. „Man kann sich sicherer als bei anderen Kandidaten sein, dass sie Verantwortung übernehmen können, in Teams arbeiten können und sich selbst im Hinblick auf gute Resultate organisieren können.“

Umgekehrt wählen Jugendliche offensichtlich gern einen Beruf, der mehr oder weniger mit ihrem Engagement in einer Jugendorganisation zu tun hat – 80 % sagen das. Kein Wunder, dass 82 % der Ansicht sind, dass sie die in Jugendorganisationen erworbenen Fähigkeiten im späteren Berufsleben gut gebrauchen können. 56 % glauben auch, dass ihnen die Erfahrungen etwas bis „sehr viel“ bei der Jobsuche geholfen haben. Aber obwohl 90 % der befragten jungen Menschen angeben, dass sie ihre Mitgliedschaft im Lebenslauf, im Anschreiben (57 %) oder im Bewerbungsgespräch (62 %) erwähnen, beklagen die befragten Arbeitgeber, dass viele dies nicht sehr geschickt oder „nur mit einem Einzeiler“ tun. Viele Jugendliche, so vermuten sie, halten solche Informationen für Privatsache und damit schlicht für uninteressant für den künftigen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. „Mein Rat ist, dass junge Menschen versuchen sollten, im Anschreiben das, was sie in Jugendorganisationen gemacht haben, mit der Stellenbeschreibung zu verbinden - spezifische Fähigkeiten und Kompetenzen betonen und sie mit der erwünschten Position verbinden“, riet ein Personalverantwortlicher im Interview.

Zertifikate helfen

Vielleicht könnte der Gebrauch der europäischen Zertifikate die Situation verbessern. Von den für die Untersuchung befragten Jugendlichen nutzten erst 16 % den Youthpass, aber immerhin 50 % den Europass-CV. Der Rest besitzt häufig Nachweise, die von den Jugendorganisationen selbst entwickelt wurden. Da der Youthpass internationale Erfahrungen voraussetzt, die nur ein kleiner Anteil der Jugendlichen haben, empfehlen die Forscherinnen und Forscher, den Europass anwendungsfreundlicher zu machen, noch mehr zu bewerben und auch für Jugendorganisationen attraktiv zu machen. Generell müssten Nachweise und Zertifikate bei Arbeitgebern bekannter gemacht werden: „Wenn eine Person in der Lage ist, so ein Zertifikat (wie den Youthpass) vorzuweisen, dann ist das ein Vorteil“, meinte einer der befragten Personalverantwortlichen. „Ich habe nie daran gedacht, danach zu fragen und wusste auch nicht, dass Jugendorganisationen so etwas ausgeben, aber es ist ein starkes Plus.“

Vor allem solche Jugendliche könnten von der Präsentation ihrer nicht formalen Erfahrungen profitieren, die ansonsten keinerlei (Berufs-)Erfahrungen aufweisen können. Das Europäische Jugendforum zieht aus den Ergebnissen der Studie entsprechende politische Empfehlungen:

  • So solle mehr in nicht formale Bildung investiert werden. Deren Qualität und der Zugang zu nicht formaler Bildung für alle, ebenso wie eine Steigerung der Mobilität junger Menschen, trügen wesentlich zu deren Beschäftigungsfähigkeit bei.
  • Arbeitsagenturen, Arbeitgeber und Personalvermittler sollten auf die Möglichkeit des Kompetenzerwerbs in Jugendorganisationen aufmerksam gemacht werden.
  • Junge Menschen sollten eine Berufs- und Karriereberatung erhalten und lernen, wie sie die erworbenen Fähigkeiten in einem Bewerbungsverfahren präsentieren können.

Übrigens: Eine Fähigkeit, die bei Arbeitgebern gleich hoch im Kurs steht wie die erwähnten Soft Skills, lernt man in Jugendorganisationen nicht: Rechnen.

(Quelle: JUGEND für Europa)

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