02.08.2012Freiwilliges Engagement

Ausgewogen: Europäische Charta beschreibt Rechte und Pflichten von Freiwilligen und Freiwilligenorganisationen

Die aus dem zweiten Europäischen Jugendkonvent für Freiwilligenarbeit im September letzten Jahres entstandene Initiative zur Entwicklung einer „Charta der Rechte für Freiwilligen“ hat jetzt ihr vorläufiges Ende gefunden. Nach Konsultationen mit Organisationen, Freiwilligen und Verbänden erarbeitete eine Arbeitsgruppe unter der Federführung des Europäischen Jugendforums eine Charta, die die grundsätzlichen Rechte und Qualitätsmerkmale bei Ehrenamt und Freiwilligenarbeit in den Mittelpunkt stellt.

So weisen die Unterstützer der Charta in ihrer Präambel als erstes darauf hin, dass Freiwilligentätigkeit und aktive Bürgerschaft keine Privilegien für Einzelne seien, sondern Rechte für alle Bürger und Bürgerinnen darstellen. Jeder Mensch habe das Recht egal wo in der Welt, freiwillig aktiv zu sein. Freiwillige müssten mit den Rechten ausgestattet werden, die ihren Bedürfnissen und ihren Aufgaben entsprechen und eine befähigende und unterstützende Umgebung gewährleisten.

Die vorliegende Charta beschreibt die grundsätzlichen Rechte und Pflichten von Freiwilligen sowie ihren Anspruch auf die eigene persönliche Entwicklung und die sich daraus ergebenden Pflichten, aber auch Rechte der Freiwilligenorganisationen und Nutzern von Ehrenamt.

Zu den acht durch die Arbeitsgruppe beschriebenen Grundrechten für Freiwillige gehören u.a. das Recht auf die soziale und rechtliche Absicherung während der Freiwilligentätigkeit, das Verbot jedweder Diskriminierung und das Recht auf Freiwilligenarbeit außerhalb ihres Heimat- bzw. Geburtslandes. Letzteres impliziert den Anspruch auf ein kostenloses Visa und ein offenes, transparentes und zugängliches Visaverfahren.

In Verbindung mit der persönlichen Entwicklung von ehrenamtlich Tätigen ist es für die Arbeitsgruppe grundsätzlich notwendig, dass jeder und jede Freiwillige einen Anspruch auf die für die Tätigkeit notwendige Bildung und Ausbildung erhält. Außerdem sollen die erworbenen Fähigkeiten und Kompetenzen durch die formalen Bildungs- und Berufseinrichtungen anerkannt werden. Freiwillige sollten auch das Recht auf einen offenen Entwicklungsraum bekommen, um neue Kenntnisse und Kompetenzen zu erwerben und gleichzeitig eigene Lernformen und Lernwege zu erproben und zu entfalten. Die Charta fordert ebenfalls mehr Flexibilität von Seiten der Bildungseinrichtungen und der Arbeitgeber, um die Vereinbarkeit der Bürger und Bürgerinnen mit Freiwilligenaktivitäten zu erleichtern.

Auf der Seite der Freiwilligenorganisationen, Verbände, Freiwilligenprojekte etc. wird eine ausreichende, flexible Finanzierung und Steuerbefreiung genauso als grundlegend erforderlich angesehen, wie politische Mitentscheidungsmöglichkeiten, insbesondere zum Thema Ehrenamt und Freiwilligentätigkeit, und die Freiheit zur Auswahl der Freiwilligen.

Die in der Charta aufgelisteten Pflichten der so genannten „volunteering providers“ beschreiben bekannte Anforderung an die Organisationen zur Gewährleistung der Qualität und Sicherheit von Freiwilligentätigkeiten und ehrenamtlichen Aktivitäten. So wird die Verantwortung für die Anerkennung der Fähigkeiten und Kompetenzen durch Bildungs- und Arbeitsmarktakteuren auch den Organisationen selbst zugeschrieben.

Mit der Charta wenden sich die Initiatoren insbesondere an die Politik und Behörden auf lokaler, regionaler, nationaler und europäische Behörden. Sie fordern die Mitgliedstaaten auf, die Merkmale der Charta bei der Weiterentwicklung der politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen, wie Gesetze, Programme du Maßnahmen zu berücksichtigen. Unterstützt werden sie dabei vom Ausschuss „Bildung und Kultur“ des Europäischen Parlaments, dessen Mitglieder sich ebenfalls an die EU-Staaten richten und die Anerkennung und Respektierung der Rechte und Pflichten von Ehrenamtlichen einfordern. Mit der Charta wird auch die grenzübergreifende Mobilität von Freiwilligen in Europa thematisiert, die durch die Lösung von Visaproblemen auch durch gemeinsame Qualitätskriterien voran gebracht werden könnte.

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