15.01.2013EU-Jugendbericht

Ausbaufähig: AGJ bewertet zweiten EU-Jugendbericht

Die AGJ hat in einer Stellungnahme Ende 2012 ihre Bewertung des zweiten EU-Jugendberichts der EU-Kommission vorgenommen.

Die AGJ bezog bereits zum ersten Jugendbericht der EU im Jahr 2009 fachpolitisch Position. Darin formulierte sie Anforderungen an einen europäischen Jugendbericht, der die Grundlage für die Weiterentwicklung der europäischen Zusammenarbeit im Jugendbereich sowie für die Qualifizierung von Kinder- und Jugend(hilfe)politik darstellt.

Vor diesem Hintergrund äußerte sie sich jetzt zu dem im September 2012 vorgelegten zweiten Jugendbericht (siehe NEWS). Der AGJ-Vorstand begrüßt insbesondere die seit dem ersten Europäischen Jugendbericht erheblich ausgebaute Datenlage über die Lebenssituation junger Menschen, womit der Bericht an Qualität gewonnen habe.

Allerdings seien die Datenquellen nicht alle hinreichend belastbar, da gerade den Bereichen Freiwilligendienst, Kreativität und Kultur, Jugend in der Welt und Beteiligung Angaben über Befragungen (Eurobarometer-Umfragen) und nicht über statistische Erhebungen zusammen getragen wurden. Damit würde dem Anliegen der EU-Kommission, eine erneuerte Politikstrategie „auf der Basis möglichst umfassender und objektiver Tatbestände“ zu verfolgen, nur bedingt entsprochen.

Die AGJ bewertet die Zusammenfassung der Nationalen Berichte zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie als einen guten Überblick der Umsetzung in den Mitgliedstaaten, hat aber ebenfalls einen Einwand. Die Kommentierungen der nationalen Maßnahmen hinsichtlich der Fortschritte und der fachpolitischen Bedeutung für die EU seien nicht immer nachvollziehbar. Als Beispiel nennt sie die Frage, inwieweit die EU-Jugendstrategie die jugendpolitischen Schwerpunkte auf lokaler und/oder regionaler Ebene beeinflusst habe. Die Kommission meint in ihrer Bewertung, dass die EU-Jugendstrategie regional und lokal kaum relevant gewesen sei. Die AGJ merkt dagegen an, dass die Kommission die guten Beispiele, wie z.B. im deutschen Nationalen Bericht beschrieben, hätte aufgreifen können, um mögliche gute Praktiken zu verbreiten.

Die AGJ bedauert es, dass der EU-Jugendbericht nicht, wie bereits in 2009 gefordert, in die Amtssprachen der EU übersetzt worden sei. Dies schließe die Nutzung des Berichts als Arbeitshilfe durch eine große Gruppe von Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe aus. Auch die Einbeziehung analytischer Ansätze zur Verdeutlichung von Ursachen für bestimmte Entwicklungen komme noch zu kurz. Die Ursachen der Probleme würden in erster Linie mit den negativen Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise begründet, ohne diese Annahme durch weitergehende Begründungszusammenhänge herzuleiten.

Die formulierten politischen Handlungsempfehlungen für die zweite Phase der EU-Jugendstrategie kritisiert die AGJ als zu allgemein. Sie hält es für sinnvoll, den jugendpolitischen Auftrag auch für die einzelnen Handlungsfelder zu beschreiben, „um zu verdeutlichen, wo die EU konkret Möglichkeiten zur Verbesserung der Lebenslagen junger Menschen sieht“. Mit spezifischen Handlungsempfehlungen würde in den einzelnen Mitgliedstaaten auch die politische und fachliche Relevanz für die jeweiligen Jugendpolitiken gestärkt.

Außerdem empfiehlt sie eine stärkere Beteiligung aller relevanten Akteure der Kinder- und Jugendhilfe sowohl auf lokaler, nationaler als auch europäischer Ebene bei der Formulierung von jugendpolitischen Schwerpunkten. Diese müssten vor der Abstimmung durch den Rat fachpolitisch breit diskutiert werden.

(JUGEND für Europa - Servicestelle zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland)

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