17.11.2010Kreativität und Kultur

Auf in den Kulturkampf: (Jugend-)Kultur gegen Armut und Ausgrenzung

Mitgliedstaaten und EU sollen mehr für die kulturelle Teilhabe tun und die "kulturelle Dimension" als Querschnittsidee aufnehmen.

via Rat der Europäischen Union

Kulturelle Teilhabe und kulturelle Identität sind Grundrechte. Zu diesem Schluss kam das Europäische Parlament am 15. November 2007 in einer Resolution zum sozialen Zusammenhalt und der Bekämpfung von Armut und Ausgrenzung. Auf dieses Papier beziehen sich nun die Schlussfolgerungen des Jugendministerrats vom 19. November 2010, wenn sie dieses Recht bekräftigen und feststellen, dass der Querschnittscharakter der "kulturellen Dimension" eine ebensolche Politik auch auf europäischer Ebene rechtfertigt.

Als Antwort auf eine Studie der Kommission über den "Zugang junger Menschen zur Kultur" formulierte der Jugendministerrat seine Schlussfolgerungen, mit denen die Mitgliedstaaten aufgefordert werden, allen jungen Menschen den Zugang zur Kultur zu erleichtern und dafür langfristige politische Strategien und Maßnahmen zu entwickeln. Ressortübergreifende Politikstrategien seien auch auf europäischer Ebene vonnöten, vor allem die Berücksichtigung der "kulturellen Dimension" in den Strategien zur Armutsbekämpfung und Inklusion. Zusammenarbeit der Politikbereiche, Austausch von Erfahrungen und nicht zuletzt Forschung seien auf diesem Gebiet ebenfalls wünschenswert.

Zugang zur Kultur, kulturelle Teilhabe und kulturelle Bildung seien Mittel gegen Armut und Ausgrenzung, so die Jugendminister. Kulturelle Teilhabe fördere persönliche Erfüllung, Ausdruck und kritisches Bewusstsein, Freiheit und Emanzipation und die aktive Teilhabe am sozialen Leben, die Integration isolierter Gruppen - zum Beispiel der Älteren oder Ärmeren -, kulturelle Vielfalt und interkulturellen Dialog, Respekt vor Unterschieden sowie die Fähigkeit, interkulturelle Herausforderungen zu meistern. Kulturelle Teilhabe bedeute aber auch der Zugang zu Informationen und Dienstleistungen, zu neuen Kommunikationstechnologien wie dem Internet. Und, selbstverständlich: Die Entwicklung kreativen Potenzials und ebensolcher Fertigkeiten, die in nicht-formalen und informellen Zusammenhängen gelernt würden, seien nützlich für den Arbeitsmarkt wie im sozialen und privaten Leben.

Deswegen sollte die Teilnahme von Künstlern und Kultureinrichtungen im Rahmen von Sozialprojekten, Bildungs- und Jugendangeboten gefördert werden, die Kulturvermittlung solle verstärkt werden, der Nutzen und die Nutzung kultureller Fertigkeiten in Beschäftigung und Sozialleben sollte beworben und Medienkompetenzen gefördert werden. Alle, die im Kulturbereich tätig sind, sollten eine größere Aufmerksamkeit auf diejenigen Jugendlichen richten, die von Benachteiligung betroffen sind.

Die Studie "Zugang junger Menschen zur Kultur" war im Juli 2010 von der Kommission vorgelegt worden. Sie kam zu dem Schluss, dass finanzielle, zeitliche und geografische Hindernisse Jugendlichen den Zugang zu kulturellen Angeboten erschweren und dass die "Digitalisierung" ein Motor kultureller Teilhabe sein könnte. Sie stellte allerdings auch fest, dass Jugendliche keine homogene Gruppe sind und differenzierte, koordinierte und langfristige Strategien für die kulturelle Teilhabe benötigen (siehe NEWS).

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