„Alles hängt von der Qualität ab“

ePartizipation Jugendlicher: Der estnische Blick (Liis Kuusk)

Welche Chance bietet ePartizpation, die elektronische Partizipation übers Internet, für die Jugendbeteiligung? Feststeht: Junge Menschen verstehen digitale Medien und soziale Netzwerke als selbstverständlichen Teil ihrer Alltagswelt. Im Rahmen des Projekts „youthpart“, das den internationalen und nationalen Erfahrungsaustausch sowie die Modellentwicklung für mehr Jugendbeteiligung in der digitalen Gesellschaft fördern soll, fand Ende Oktober in Berlin ein erstes Werkstattgespräch statt. JUGEND für Europa und IJAB hatten dazu eingeladen.

An diesem nahm auch die Estin Liis Kuusk als Referentin teil. Sie arbeitet beim estnischen Zentrum für Jugendarbeit und betreut dort die Website www.stardiplats.ee. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind nicht formale Bildung und Jugendarbeitslosigkeit.

JfE: Frau Kuusk, Estland hat mit seinen rund 1,34 Millionen Einwohnern bereits den Ruf eines eLandes. Was ist dran an der Zuschreibung?

Das stimmt. „eGovernment“ und „E-voting“ sind für uns keine Fremdworte mehr. Wir haben die Beteiligungsplattform www.osale.ee. Aber speziell bei den Angeboten für Jugendliche sind wir noch nicht so weit.

JfE: Was heißt das genau?

Wir haben noch keine Plattformen zur ePartizipation von Jugendlichen eingerichtet, wir beobachten die Entwicklungen aber sehr genau und sammeln fleißig Informationen. Unser Ziel ist es herauszufinden, welche Ansätze es bereits für die elektronische Teilhabe in anderen Ländern gibt, um letztendlich die beste Lösung für Estland zu finden. Unabhängig von der Online-Entwicklung spielt Beteiligung aber auch jetzt schon eine große Rolle bei uns.

JfE: Inwiefern?

Wir haben ja verschiedene Jugendräte im Estland, die Partizipation stark fördern. Ob auf lokaler Ebene (45 Jugendräte und Jugendparlamente), in den Regionen (15 Länderjugendräte) oder im nationalen Kontext (Nationaler Jugendrat) – da sind wir schon sehr gut aufgestellt. Seit 2008 koordiniert der Nationale Jugendrat – in Zusammenarbeit mit dem estnischen Zentrum für Jugendarbeit – die Arbeit aller Räte (www.noortekogud.ee). 2011 hatte er 38.000 Mitglieder. Trotzdem müssen wir jetzt den nächsten Schritt machen.

JfE: Wie könnte der aussehen?

Am 1. Dezember hat der Nationale Jugendrat ein Internet-Projekt auf den Weg gebracht, von dem wir uns viel versprechen. Es heißt „Participation Cafeteria“ und lädt 1500 Jugendliche in Estland dazu ein, im Netz über ihre wichtigen Themen zu diskutieren (http://www.facebook.com/media/set/?set=a.234539099946020.60854.222179291182001&type=3#!/event.php?eid=172847539473908).

JfE: Welche sind das?

All die Themen, die das Leben von jungen Menschen auch beeinflussen: Schule, Studium, Aus-und Weiterbildung, Jugendarbeitslosigkeit – um nur einige zu nennen.

JfE: Was trauen Sie persönlich der ePartizipation zu?

Das ist eine Chance, die wir nicht verpassen sollten. Es kommt aus meiner Sicht aber vor allem auf zwei Dinge an. Zum einen sollten wir uns immer fragen, wie viele und welche Jugendliche wir auf diesem Wege erreichen, zum anderen muss die Qualität der Teilhabe stimmen. Mit anderen Worten: Nur wenn die Stimme der jungen Menschen am Ende auch wirklich zählt und gehört wird, können wir von echter Partizipation sprechen. Und wir sollten nicht vergessen, dass es neben der Teilhabe über das Internet immer auch noch die klassischen Beteiligungsformate gibt. Und die dürfen wir nicht vernachlässigen.

Das Interview führte Marco Heuer im Auftrag von JUGEND für Europa

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