Alles eine Frage der Kompetenzen. Mitgliedstaaten sollen Schulbildung verbessern

Die Europäische Kommission will die Qualität der Schulbildung im Europa des 21. Jahrhunderts verbessern. Dazu hat sie eine Agenda für eine engere Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten vorgeschlagen.

via EU-Kommission in Deutschland, Pressedienst der Europäischen Kommission

In der Mitteilung „Bessere Kompetenzen für das 21. Jahrhundert: eine Agenda für die europäische Zusammenarbeit im Schulwesen“ heißt es, dass einschneidende Veränderungen vorgenommen werden müssen, damit Europas Schulen jungen Menschen das volle Rüstzeug für das Leben in diesem Jahrhundert mitgeben können. Die Schulbildung gilt zunehmend als Schlüsselbereich für Verbesserungen, die erforderlich sind, damit die Mitgliedstaaten die Ziele der Lissabon-Strategie für Wachstum und Beschäftigung erreichen. Vor diesem Hintergrund äußert sich die Kommission zu einem Politikbereich, der hoheitlich in der Kompetenz der Mitgliedstaaten liegt (weshalb sie gleich auch „Häufig gestellte Fragen“, u.a. nach der Einhaltung des Subsidiaritätsprinzips, beantwortet). Die Mitgliedstaaten arbeiten im Rahmen des Programms „Allgemeine und berufliche Bildung 2010“ bereits zusammen an einem Austausch bewährter Verfahren für einige Bildungs- und Berufsbildungsaspekte. Die Fortschritte der im Rahmen der Offenen Methode der Koordinierung verabredeten Benchmarks für die Verbesserung der Lernkompetenz, die Verringerung des Schulabbruchs und die Steigerung der Bildungsbeteiligung waren jedoch bisher enttäuschend.

Die Kommission schlägt daher eine Agenda für die Zusammenarbeit in drei Bereichen vor:

  1. Hauptsächlich sollen allen Schülerinnen und Schülern die Kompetenzen vermittelt werden, die sie für das Leben benötigen. Dazu gehört die Verbesserung der Lese- und Rechenkompetenz, die Erweiterung der Lernkompetenz und entsprechende Modernisierung von Lehrplänen, Lernmaterialien, Lehrerausbildung und Beurteilungsverfahren.
  2. Die Mitgliedstaaten sollen sich zur Bereitstellung eines hochwertigen Lernangebots für alle Schülerinnen und Schüler verpflichten. Dazu gehört die Ausweitung des Zugangs zur Vorschulerziehung auf alle Kinder, die Förderung der Gerechtigkeit in den Schulsystemen, eine Verringerung des Schulabbruchs und eine Verstärkung der Unterstützung an Regelschulen für Schüler mit besonderen Bedürfnissen.
  3. Die Mitgliedstaaten sollen für eine Steigerung der Qualität von Lehrkräften und Schulpersonal sorgen. Dazu gehört die Ausweitung und Verbesserung der Lehrerbildung, wirksamere Einstellungsverfahren für Lehrkräfte und Unterstützung der Schulleiter dabei, ihre Tätigkeit stärker auf die Lernerfolge der Schüler auszurichten.
Zum Abbau von Benachteiligungen, so die Kommission, können die Schulsysteme unter anderem dadurch beitragen, dass sie den Zugang zur Vorschulerziehung verbessern. Auch müsse sichergestellt werden, dass es den Schulen gelingt, den jungen Menschen die nötigen Grundkenntnisse zu vermitteln. Derzeit werden 24,1 % der Jugendlichen (17,6 % der Mädchen; 30,4 % der Jungen) als leseschwach eingestuft. Hier könnten stärker individualisierte Lernansätze und ein kreativerer Einsatz von Beurteilungsverfahren Abhilfe schaffen. Die Kommission schlägt eine Steigerung der Qualität der Schulbildung durch eine umfassendere Selbstevaluierung der Schulen und eine bessere Ausbildung des Schulpersonals vor.

Die Mitteilung ist Teil des am 2. Juli 2008 angenommenen Maßnahmenpakets von Präsident Barroso, durch das Zugangsmöglichkeiten, Chancen und Solidarität aller EU-Bürger verstärkt werden sollen (siehe NEWS). Die Mitteilung wird ergänzt durch ein Arbeitsdokument der Kommissionsstellen, das die neuesten Forschungsergebnisse und Statistiken sowie eine Zusammenfassung der Reaktionen auf die Konsultation der Öffentlichkeit zum Thema „Schulen für das 21. Jahrhundert“ enthält.

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