Alle raus: Lernzeiten im Ausland sollten eher die Regel als die Ausnahme sein

Eine Expertengruppe empfiehlt mehr Möglichkeiten für europäische Austauschmaßnahmen und Auslandsaufenthalte für alle Jugendlichen.

via Generaldirektion Bildung und Kultur

Wie lässt sich der Erfolg von Erasmus, dem Vorzeigeprogramm der EU im Bereich der Hochschulbildung, über den Universitätssektor hinaus ausbauen? Dieser Frage sollte ein von der Kommission eingerichtetes hochrangiges Expertenforum für Mobilität nachgehen. Der Bericht mit dem Titel „Making Learning Mobility an Opportunity for All“ (Mobilität zu Lernzwecken – eine Chance für alle) ist das Ergebnis sechsmonatiger Überlegungen zu der Frage, wie weitere Möglichkeiten für die Mobilität junger Menschen zwischen den EU-Mitgliedstaaten geschaffen werden können.

Die Expertengruppe empfiehlt nun, die Möglichkeiten für die Mobilität zu Lernzwecken deutlich zu erweitern. So sollen nicht nur Studierende, sondern junge Menschen generell in die Lage versetzt werden, an europäischen Austauschmaßnahmen teilzunehmen. Genannt werden zum Beispiel Auszubildende, Schüler der Sekundarstufe sowie Jungunternehmer, Kunstschaffende und Freiwillige.

Der Bericht fordert Maßnahmen gegen bestehende Mobilitätshindernisse und schlägt eine neue Partnerschaft zwischen der EU, den Mitgliedstaaten, Regionen, Bildungseinrichtungen, Unternehmen und der Zivilgesellschaft zur Ankurbelung der Mobilität vor.

Das Expertenforum nennt konkrete mittelfristige Ziele: Bis 2020 sollten mindestens 50% aller jungen Menschen im Alter von 16 bis 29 Jahren die Möglichkeit bekommen, sich zu einem beliebigen Zeitpunkt an einer Form der grenzüberschreitenden Mobilität zu beteiligen. Dieses generelle Ziel lässt sich erreichen, wenn die Mobilität bis 2020 jährlich von gut 6% der Studierenden an Universitäten, 3,5 % der Auszubildenden in der beruflichen Bildung, 0,5% der Schüler der Sekundarstufe und gut 1% der Jugendlichen genutzt wird, die im Rahmen der Mobilität einen freiwilligen Dienst absolvieren möchten (wie z. B. den Europäischen Freiwilligendienst). Die besondere Bedeutung des Sprachenlernens für die grenzüberschreitende Mobilität wird besonders hervorgehoben.

Die Europäische Kommission wird aufgefordert, die Mobilität in alle einschlägigen Politikbereiche einzubeziehen, insbesondere im Hinblick auf die Strukturfonds und das Rahmenprogramm für Forschung und Entwicklung. Mobilität soll auch oberste Priorität bei der Halbzeitbewertung der Finanziellen Vorausschau der EU haben. Der Bericht enthält folgerichtig auch ein Paket von Vorschlägen zur Stärkung der derzeitigen Mobilitätsprogramme der EU. Neben Erasmus, Comenius, Leonardo da Vinci und Grundtvig, die allesamt Teil des Programms für lebenslanges Lernen sind, werden in den Empfehlungen auch andere Programme auf ihre Mobilitätsaspekte hin geprüft, darunter die Programme Erasmus Mundus, JUGEND IN AKTION, Kultur und Europa für Bürgerinnen und Bürger. Nach den Empfehlungen des Berichts sollten diese Programme stärker gefördert und die Synergien zwischen den Programmen weiter ausgebaut werden.

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