21.01.2005Jugend in der Welt

Aktionspläne für die Zusammenarbeit mit Nicht-EU-Ländern aufgestellt

Zur Umsetzung der neuen Europäischen Nachbarschaftspolitik (ENP) der Europäischen Union legte die Kommission im Dezember 2004 Aktionspläne für engere Beziehungen zu zunächst sieben dieser "neuen Nachbarn" vor. Mit ihnen wurde unter anderem die Förderung des Jugendaustauschs verabredet.

via Europäische Kommission

Die Aktionspläne, die am 09.12.2004 von der EU-Kommission angenommen wurden, betreffen die Ukraine, Moldawien, Israel, Jordanien, Marokko, Tunesien und die Palästinensische Behörde. Für jedes Land liefert der Aktionsplan eine Agenda für die Zusammenarbeit mit der EU in den kommenden drei bis fünf Jahren. Die Pläne knüpfen an die bestehenden Assoziations- oder Kooperationsabkommen mit den einzelnen Partnern an, lösen diese aber nicht ab. Sie legen individuelle Schwerpunkte und Maßnahmen fest. Für alle Länder, mit denen Aktionspläne aufgestellt wurden, ist damit zu rechnen, dass sie verstärkt in EU-Förderprogramme, vor allem in JUGEND sowie perspektivisch auch im neuen Programm "JUGEND IN AKTION " ab 2007 einbezogen werden.

Die Aktionen im Einzelnen:

Ukraine:

Die Zusammenarbeit mit der Ukraine wird ausdrücklich damit begründet, dass in Europa nach der EU-Erweiterung keine neuen Trennlinien entstehen sollen. Der Aktionsplan soll dazu beitragen, den Demokratieprozess der Ukraine zu stärken. Entsprechend soll auch das Bildungs- und Ausbildungssystem der Ukraine reformiert werden und sich den Standards und der Praxis der Europäischen Union angleichen. In diesem Bereich soll ein politischer Dialog etabliert werden. Neben der Zusammenarbeit und dem Austausch im Bereich der formalen und Hochschulbildung will man den Jugendaustausch und die Kooperation im Bereich nicht-formaler Bildung stärken. Der interkulturelle Dialog soll durch das Programm JUGEND gefördert werden.

Moldawien:

Moldaviens Demokratieprozess und die Entwicklung der Rechtsstaatlichkeit sollen mit den im Aktionsplan festgelegten Maßnahmen gefördert werden. Es ist geplant, das Erziehungs- und Bildungssystem stärker an die Standards der EU-Mitgliedstaaten und damit dem „Bologna-Prozess“ anzulehnen. Daneben ist eine Stärkung des Jugendaustauschs und eine Zusammenarbeit im Bereich nicht-formaler Bildung für Jugendliche geplant. So sollen der interkulturelle Dialog beworben und Jugendaustausch und Kooperation in der nicht-formalen Bildung durch das Programm JUGEND ausgebaut werden.

Israel:

Die EU und Israel teilen gemeinsame Werte wie Demokratie, die Achtung der Menschenrechte, Rechtstaatlichkeit und Grundrechte. Aus historischer und kultureller Sicht, so heißt es, gebe es enge Beziehungen zueinander und ein gemeinsames geistiges Erbe. Beide Seiten verpflichten sich auf dieser Basis, alle Formen des Antisemitismus, Rassismus und der Xenophobie zu bekämpfen. Der Aktionsplan sieht die Stärkung der Beziehungen und der Kooperation mit Israel durch „Mensch-zu-Mensch“-Kontakte (“people-to-people” contacts) in den Bereichen Bildung, Kultur und audiovisueller Medien, Zivilgesellschaft und öffentlicher Gesundheit vor. Im Bereich Bildung, Ausbildung und Jugend sollen neben der Hochschul- und Berufsbildung der Jugendaustausch und die Zusammenarbeit im Bereich nicht-formaler Bildung und interkulturellem Dialog gefördert werden. Außerdem wurde die Kooperation in Programmen verabredet, die das Bewusstsein von Jugendlichen gegenüber den Gefahren von Drogen und Narkotika stärken. Daneben sollen die Beziehungen zwischen Organisationen der Zivilgesellschaft und Nicht-Regierungs-Organisationen gestärkt werden.

Jordanien:

Der Schwerpunkt der mit Jordanien verabredeten Maßnahmen liegt auf der Unterstützung der Demokratieentwicklung. In diesem Rahmen sind auch Maßnahmen vorgesehen, um das jordanische Erziehungs- und Ausbildungssystem und dessen Praxis zu reformieren und an EU-Standards und Praxis anzugleichen. Außerdem sollen der Jugendaustausch sowie die Zusammenarbeit im Bereich nicht-formaler Bildung und interkulturellem Dialog gefördert werden.

Marokko:

Mit dem Aktionsplan für Marokko wird unter anderem Unterstützung bei der Modernisierung des marokkanischen Bildungssystems, speziell zum Beispiel die Förderung von Bildungszugängen für benachteiligte Personen und die Bekämpfung des Analphabetismus, zugesagt.

Im Bereich Jugend wird eine intensive Zusammenarbeit im Bereich nicht-formaler Bildung angestrebt. Dafür wird vor allem der interkulturelle Dialog und der Jugendaustausch, die Partnerschaft zwischen Jugendorganisationen und die Ausbildung von Fachkräften der Jugendarbeit, die an Euromed JUGEND beteiligt sind, hervorgehoben. Darüber hinaus werden Maßnahmen zum Thema „Jugend und Sport“ verabredet, zum Beispiel „Integration der Jugend durch den Sport (MEDA Sport) und Partnerschaften zwischen Sportorganisationen und Jugendeinrichtungen.

Tunesien:

Tunesien möchte Mobilität, Beschäftigung und Wettbewerb fördern. Es will sein Erziehungs- und Ausbildungssystem an die Standrads und die Praxis der EU angleichen und dabei den Lissabon-Prozess berücksichtigen. Im Bereich Bildung, Ausbildung und Jugend werden der Jugendaustausch und die Zusammenarbeit im Bereich der nicht-formalen Bildung verabredet.

Palästinensische Behörden:

Für Palästina stehen vor allem der politische Dialog und die politische Reform im Mittelpunkt. Ziel ist es, Institutionen eines unabhängigen, demokratischen und lebensfähigen Palästinensischen Staates aufzubauen. Entsprechend wird als ein Ziel der Aufbau eines modernen Bildungssystems genannt, das auf Frieden, Toleranz und gegenseitigem Verständnis beruhen soll. Neben Maßnahmen für die formale Bildung werden die Förderung des interkulturellen Dialogs, des Jugendaustauschs und die Kooperation durch JUGEND und andere kulturelle Kooperationsprogramme genannt. Daneben sollen Möglichkeiten der Entwicklung sportlicher Aktivitäten geprüft werden.

Alle Aktionspläne finden Sie auf der Internet-Seite der Europäischen Kommission unter http://www.europa.eu.int/comm/world/enp/document_en.htm