05.06.2006Nicht formale Bildung

Acht Kostbarkeiten: Europäische Schlüsselkompetenzen für Lebenslanges Lernen

Der Rat der Europäischen Union für Bildung, Jugend und Kultur billigte den Vorschlag zu Europäischen Schlüsselkompetenzen. Werden sie auch zur Richtschnur europäischer Jugendarbeit?

via Rat der Europäischen Union

Der Europäische Rat für Bildung, Jugend und Kultur nahm auf seiner Sitzung am 18./19. Mai eine Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates zu Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen - allgemeine Ausrichtung an, die im Rahmen des Arbeitsprogramms "Allgemeine und Berufliche Bildung 2010" erarbeitet wurde (siehe News). Hauptzweck der Empfehlung ist es, ein europäisches Referenzinstrument für die in einer Wissensgesellschaft benötigten Grundfertigkeiten zu schaffen und sicherzustellen, dass alle Bürger diese erwerben können, um Lernen und Beschäftigungsfähigkeit zu fördern. Die Europäischen Schlüsselkompetenzen sollen außerdem als Bezugsgröße für den "Europäischen Qualifikationsrahmen für Lebenslanges Lernen" dienen (siehe News).

Der Entwurf definiert acht zentrale Schlüsselkompetenzen, die "notwendig für den sozialen Zusammenhalt, die Beschäftigungsfähigkeit und die persönliche Entfaltung" sein sollen:

  1. Muttersprachliche Kompetenz
  2. Fremdsprachliche Kompetenz
  3. Mathematische Kompetenz und grundlegende naturwissenschaftlich-technische Kompetenz
  4. Computerkompetenz
  5. Lernkompetenz
  6. Soziale Kompetenz und Bürgerkompetenz
  7. Initiativgeist und unternehmerische Kompetenz
  8. Kulturelle Kompetenz und Ausdrucksfähigkeit
Das Papier betont vor allem die Notwendigkeit, junge Menschen mit den erforderlichen Schlüsselkompetenzen auszustatten und ihr Bildungsniveau zu verbessern. Diese Forderungen waren auch Bestandteil der Integrierten Leitlinien für Wachstum und Beschäftigung 2005-2008, die im Juni 2005 vom Europäischen Rat gebilligt wurden. In den Beschäftigungsleitlinien wird insbesondere dazu aufgerufen, die Bildungs- und Berufsbildungssysteme an die neuen Wettbewerbserfordernisse anzupassen, indem die beruflichen Erfordernisse und Schlüsselkompetenzen in den Reformprogrammen der Mitgliedstaaten besser definiert werden. Schon im Mai 2003 legte der Rat daher fünf europäische Referenzniveaus (Benchmarks) fest, um eine messbare Verbesserung der durchschnittlichen Leistungen der europäischen Länder zu erzielen. Die Referenzniveaus für Lesekompetenz, frühzeitigen Schulabgang, Abschluss der Sekundarstufe II und Teilnahme an der Erwachsenenbildung stehen in engem Zusammenhang mit der Entwicklung von Schlüsselkompetenzen.

Aber auch für nicht-formale und informelle Bildungsgelegenheiten sollen die Kompetenzdefinitionen als Bezugsgröße relevant werden und im Rahmen der Valorisierung von außerhalb formaler Bildungszusammenhänge erworbenen Kompetenzen eingesetzt werden. So zitiert das Papier auch die Absicht der Kommission, "die breite Verwendung des Dokuments (...) in benachbarten gemeinschaftlichen Politikbereichen zu fördern, insbesondere bei der Umsetzung der Beschäftigungs-, Jugend- und Sozialpolitik".

Der Rat billigte nun das Papier vorbehaltlich der Aufhebung der zweier Parlamentsvorbehalte (DK und UK) und in Erwartung der Stellungnahme des Europäischen Parlaments. Die Stellungnahme der EP wird ab Juni 2006 erwartet. Die Stellungnahmen des Wirtschafts- und Sozialausschusses und des Ausschusses der Regionen stehen ebenfalls noch aus.

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