16 Mrd. gegen Bildungsarmut: Fortschritte in der Bildung weltweit durch Finanzkrise bedroht

Der jüngste UNESCO-Bericht "2010 – Bildung für alle: Die Benachteiligten erreichen" warnt vor den Folgen der Finanzkrise für die Kinder in armen Ländern.

via UNESCO

Die Nachwehen der Finanzkrise bedroht die Bildungsmöglichkeiten von Millionen von Kindern in den ärmsten Ländern der Welt. Wo immer noch 72 Mio. Kinder keine Schule besuchen können, sind das rückläufige Wirtschaftswachstum, ansteigende Armut und leere Kassen eine Mischung, welche die Errungenschaften des letzten Jahrzehnts gefährden. Zu diesem Schluss kommt die UNESCO in ihrem Bericht "2010 - Bildung für alle: Die Benachteiligten erreichen".

Eigentlich gäbe es Grund zum Optimismus. Denn der UNESCO-Bericht konstatiert auch, dass seit 1999 die Zahl der Kinder, die keine Schule besuchen, um 33 Millionen gesunken ist und mehr Kinder die Primarstufige abschließen. Einzelne Länder und Regionen - Benin, Mozambique, Senegal, Süd- und West-Asien oder Indien - haben bemerkenswerte Fortschritte gemacht.

Auch die Benachteiligung der Mädchen ist stark zurückgegangen. Die präsentierten Zahlen widerlegen den Mythos, dass arme Länder grundsätzlich nicht in der Lage sind, Fortschritte in Sachen Bildung zu machen. Dennoch sieht die UNESCO die im Jahr 2000 im Rahmen der Millenniumsziele beschlossenen Vorsätze bedroht. Dabei sind nicht nur die bildungspolitischen gemeint. Ein Mangel an Bildung würde auch als Bremse für das ökonomische Wachstum, Armutsbekämpfung und Fortschritte im Gesundheitsbereich wirken.

Neben einer Lösung für strukturelle Probleme wie inländische Konflikte oder eine schwache Rolle des Privatsektors seien 16 Mrd. US-Dollar pro Jahr und 10,3 Mio. Lehrkräfte für die 46 ärmsten Länder nötig, um das Ziel, jedem Kind eine Grundbildung zu ermöglichen, bis 2015 umzusetzen. Zurzeit stehen 2,7 Mrd. US-Dollar zur Verfügung. Der Bericht erhebt schwere Vorwürfe an Frankreich, Deutschland und Japan als die größten Geldgeber in diesem Bereich, die das Problem der mangelnden Grundbildung nicht ausreichend berücksichtigen würden.

Der Bericht setzte erstmals ein neues Messinstrumentarium für "Bildungarmut" ein. Dazu zählt beispielsweise das Kriterium einer "Minimalbildung" von vier Schuljahren für 17-22-Jährige. Anhand dieses Kriteriums wurden 22 Länder identifiziert, in denen 30 oder mehr Prozent der Jugendlichen unter dieser Marke bleiben, also weniger als vier Jahre Grundbildung aufweisen. In 11 Ländern in der Sub-Sahara-Region sind es sogar mehr als 50%. Auch innerhalb einzelner Länder gibt es drastische Ungleichheiten. So nennt der Bericht auch die Türkei. Diese habe zwar rapide Fortschritte im Bildungsbereich gemacht, dies gelte aber nicht für kurdisch-sprechende Mädchen aus armen Familien. Diese besuchten im Schnitt nur drei Jahre die Schule. Es bestünde ein deutlicher Zusammenhang von Armut, Ungleichheit und Marginalisierung, der, so der Bericht, nur durchbrochen werden könne, wenn eine bessere Integration von bildungspolitischen Strategien in allgemeine sozialpolitische Maßnahmen gelänge.

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