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"Jugendpolitik ist die sicher am stärksten europäisch ausgerichtete Politik in Luxemburg."JfE: Professor Berg, seit 2008 gibt es in Luxemburg ein Gesetz, das eine Luxemburgische Jugendpolitik regeln soll. Welche Instrumente sieht dieses Gesetz vor, um die Partizipation von Jugendlichen zu befördern?Prof. Charles Berg: Das Gesetz ist ein Rahmengesetz für Jugendpolitik und nennt deshalb eine ganze Reihe von Instrumenten. So sieht es zum Beispiel ein Instrument vor, das den transversalen Charakter der Jugendpolitik betont, den Conseil Supérieur de la Jeunesse. Darin sind die einzelnen Ministerien vertreten, deren Politik die Jugendlichen betrifft. JfE: Ist das so etwas wie eine interministerielle Arbeitsgruppe? Prof. Charles Berg: Man hat genau den Begriff vermieden. Eine interministerielle Arbeitsgruppe würde einem bestimmten Prozedere unterliegen. Beim Conseil ist es so, dass die Federführung eindeutig beim Jugendminister – das ist zurzeit die Familienministerin – liegt. Die Jugendpolitik wird umgesetzt vom Ministerium und vom Service National de la Jeunesse, der öffentlichen Jugendhilfe in Luxemburg. JfE: Welche Instrumente sieht das Gesetz außerdem vor? Prof. Charles Berg: Es ist eine Assemblée Nationale des Jeunes vorgesehen, eine Art Jugendparlament, mit der die Jugendlichen direkt an der Jugendpolitik mitwirken können. Ein dritter Aspekt des Gesetzes ist die Wissensbasiertheit der Jugendpolitik und die Einrichtung einer Forschungsplattform „Observatoire de la Jeunesse“. Sie wird alle fünf Jahre einen Jugendbericht erarbeiten, der dem Parlament vorgelegt wird, und zu einem Plan für die Jugendpolitik führen soll. JfE: Wie können Jugendliche in Luxemburg partizipieren? Prof. Charles Berg: Die Confédération Générale de la Jeunesse aux Luxemburg (CGJL), ist eine staatlich geförderte Organisation mit autonomer Struktur, die die Jugendorganisationen zusammenfasst. Darüber hinaus gibt es viele Jugendinitiativen. Neu ist zur Zeit die Betonung von Jugendkreativität und Jugendkultur. Die wird sehr stark gefördert, auch vom Service National de la Jeunesse. Besonders die Kulturarbeit in den Jugendhäusern hat sich in den letzen Jahren entwickelt. In der Rockha, einem großen Konzertveranstaltungsraum, werden Probenräume für Jugendbands zur Verfügung gestellt. Auf der anderen Seite muss man natürlich sagen, dass Jugend ist nicht gleich Jugend ist. Die Diversität hat eine Riesen-Spannweite. Wenn man die bosnische Emigrantin in Wiltz und den Arztsohn in der Hauptstadt vergleicht, so leben sie in unterschiedlichen Welten. Ich sehe es als Problem, dass ein Teil der nichtrepräsentierten Jugendlichen Schwierigkeiten haben, eine Stimme zu finden. Aber der Service National de la Jeunesse arbeitet sehr kooperativ, nach dem Subsidiaritätsprinzip. Deswegen gibt es ein großes Angebot, einen sehr breiten nicht-formalen Bildungsbereich und auch eine systematische Ausbildung von Jugendleitern. Ein politisches Problem bleibt natürlich die Anerkennung nicht-formaler Bildung. Allerdings kann man in Luxemburg eigentlich nicht von einer schematischen Trennung zwischen formaler und nicht-formaler Bildung reden. Die „Maison relais“, vergleichbar mit den deutschen Horten, sind sehr eng an die Schulen angegliedert. Von daher gibt es nicht-formale und informelle Bildungsprozesse im formalen Kontext - und genauso umgekehrt. JfE: Sehen Sie einen Einfluss der europäischen Jugendpolitik auf die luxemburgische Jugendpolitik? Prof. Charles Berg: Ich würde sagen, dass ist ganz entschieden so! Wenn ich vergleiche zwischen Bildungspolitik und Jugendpolitik, so ist die Bildungspolitik eine Politik, die es in Luxemburg auch ohne europäische Zusammenarbeit gäbe, während sich die Jugendpolitik ohne das europäische Gedankengut nie in dieser Weise etabliert hätte. Die Luxemburgische Jugendpolitik ist sehr stark von den europäischen Vorgaben strukturiert, sowohl durch das Programm der Europäischen Union „JUGEND in AKTION“, wie auch durch die Vorgaben, die der Europarat in Sachen Jugendforschung, Jugendinformation usw. gemacht hat. Also ich würde sagen, die Jugendpolitik ist die sicher am stärksten europäisch ausgerichtete Politik in Luxemburg. JfE: Warum ist das so? Prof. Charles Berg: Zum Teil ist das so, weil es eine junge Politik ist. Im Gegensatz zur Bildungspolitik bildete sie sich nach den europäischen Entwicklungen aus. Luxemburg hat die europäischen Vorgaben zur Etablierung und Expansion dieses Politikbereichs genutzt. Die Vorgaben haben eine gewisse innovative Funktion gehabt, die in manchen Fragen als Gegengewicht zur traditionellen Bildungspolitik gedient hat. Einige Innovationen, auch in der Schule, gehen sehr stark von der Jugendpolitik aus, die so tatsächlich eine transversale Rolle spielt. JfE: Ich höre daraus, dass Sie diesen Einfluss als durchaus positiv empfinden? Prof. Charles Berg: Ich glaube, dass ich da nicht alleine bin. Diese Jugendpolitik und die Jugendarbeit ist eine wesentliche Ergänzung zur traditionellen Bildungsarbeit. [ Quelle:JfE - Das Interview führte Dr. Helle Becker | 30.10.2009 ] Zum Thema auf www.jugendpolitikineuropa.dePartizipation Jugendlicher im europäischen Kontext
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