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Die neue Jugendstrategie der EU: „Nicht-formales Lernen wird endlich anerkannt“JfE: Frau Ruess, in der neuen EU-Jugendstrategie werden acht Aktionsbereiche und drei übergeordnete Ziele genannt, mit deren Hilfe Jugendliche in europäische Entscheidungsprozesse stärker eingebunden werden und ihre Gesamtsituation grundsätzlich verbessert werden soll. Was taugt die neue Strategie?Ruess: Zunächst mal ist es positiv, Grundlagen für eine gemeinsame Jugendpolitik in Europa zu schaffen. Wichtig ist, dass Jugendpolitik nicht nur als eigenständiger Politikbereich eine Rolle spielt, sondern auch deren Querschnittsfunktion erkannt und benannt wird. Wir sehen die Stärken der neuen Strategie vor allem in der Anerkennung des nicht-formalen Lernens. Zudem wird die Bedeutung des lebenslangen Lernens aufgewertet. Schließlich werden gerade im außerschulischen Bereich Kompetenzen erworben, die auch - wenngleich nicht nur - für eine berufliche Zukunft von Vorteil sein können. Uns gefällt ebenfalls der ganzheitliche Blick auf das Thema Gesundheit und Wohlbefinden. JfE: Und die Schwächen? Ruess: Für uns ist es wichtig, dass die Strategie nicht zu einem reinen Arbeitsmarktinstrument verkommt. Es muss deutlich werden, dass junge Menschen sich nicht nur über ihren Beruf und ihren schulischen Bildungsweg definieren. Außerdem wollen wir mal abwarten, ob bei der großen Anzahl an Prioritäten und dem relativ schnellen Wechsel der Prioritätensetzung überhaupt die entsprechende Nachhaltigkeit geschaffen werden kann. JfE: Welche Rolle haben die Träger in diesem Entscheidungsprozess gespielt? Ruess: Die Träger wurden im Vorfeld befragt und konnten sich über die Evaluationen in den Mitgliedsländern mit ihren Meinungen einbringen. Ihre Rolle müsste aber ausgebaut werden. Meist sind es ja die Träger, die Forderungen und Vorgaben umsetzen und neue Wege vor Ort erproben. Regelmäßige Fachtagungen sollten selbstverständlich sein. Der Austausch der Träger muss zwischen den Mitgliedsländern gefördert werden. JfE: Wie können Sie in Bremen die neue EU-Jugendstrategie denn konkret umsetzen? Ruess: Wir haben da viel Handlungsspielraum. Jugendliche werden in ihrer Ganzheit gesehen. Da gibt es genügend Ideen. Der Bremer Jugendring führt seit drei Jahren Projekte und Seminare in diesem Bereich durch. Von politischen Themen über kreative Ansätze bis hin zur klassischen Workshoparbeit sind wir da ganz gut aufgestellt. Wir müssen aber immer wieder versuchen, Jugendliche für die unterschiedlichsten jugendpolitischen Themen zu interessieren und zu aktivieren. Dazu gehört es auch, abzufragen, ob sich junge Menschen in Bremen in dieser Strategie überhaupt wiederfinden. Der Bremer Jugendring wird in Zukunft verstärkt Kooperationen mit Schulen und Jugendeinrichtungen eingehen. Wir wollen aber auch weiter Seminare anbieten. Jugendliche brauchen ein bereites Spektrum an Möglichkeiten, um sich in Europa auszuprobieren und europäische Jugendpolitik mitzubestimmen. JfE: Noch ist nicht klar, wie der Strukturierte Dialog zu wirklich mehr Beteiligung führen kann. Welche Ideen haben Sie in Bremen gesammelt? Ruess: Wir führen bei uns gerade einige Projekte im Rahmen des Strukturierten Dialogs durch. Wir haben Unterstützer aus den Bereichen Politik, Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Sport. Sie nehmen sich Zeit, mit Jugendlichen zu diskutieren, ihnen zuzuhören und gemeinsame Pläne zu entwickeln. Wir laden gezielt Politiker ein, um diese mit Jugendlichen zusammen zu bringen und dem Dialog auch wirklich Struktur zu geben. Wenn ich mir so anschaue, wer bislang teilgenommen hat, muss ich sagen: Die meisten Jugendlichen fühlen sich ernst genommen. Viele beteiligten sich aktiv an allen Projektphasen. Optimal ist es, wenn sie von Anfang an in die Organisation mit einbezogen sind und mitbestimmen können. Und wir brauchen Nachhaltigkeit. Die Jugendlichen müssen wissen, dass ihre Ergebnisse am Ende nicht einfach versanden und auf kommunaler Ebene ernst genommen werden. JfE: Welche Rollte sollte die deutsche Nationalagentur bei der EU-Jugendstrategie in Zukunft spielen? Ruess: Die Nationalagentur sollte die Projekte weiter bündeln, Partner zusammenbringen und den Austausch fördern. Ich finde es wichtig, dass auch immer wieder neue Partner animiert werden, sich in diesem Bereich zu betätigen – am besten über Infoveranstaltungen. Wir selbst haben bei uns Jugendliche, die sich nun schon kontinuierlich seit zwei bis drei Jahren in den verschiedensten Europa-Projekten engagieren. Das haben wir auch JUGEND für Europa zu verdanken. JfE: Der Bremer Jugendring ist also für die Zukunft gut aufgestellt? Ruess: Zumindest haben wir ein gutes Netzwerk an Kooperationspartnern aufgebaut und genießen den Rückhalt in der Politik und den Behörden des Senats. Wir hoffen jetzt einfach mal, dass wir auch bei der Umsetzung der EU-Jugendstrategie aktiv mitwirken können, um zumindest auf der kommunalen Ebene unseren Beitrag zu leisten. Nähere Informationen zum Bremer Jugendring gibt es unter www.bremerjugendring.de. Dort finden sich auch Projektskizzen und verschiedene Dokumentationen. (Das Interview führte Marco Heuer im Auftrag von JUGEND für Europa) [ Quelle:JUGEND für Europa | 18.12.2009 ] |
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