Der Bericht basiert auf Fallstudien, Interviews und anderer
Recherche bei einer großen Bandbreite von
Nicht-Regierungs-Organisationen. Dazu hatte die Grünen-Fraktion
im Europäischen Parlament Nicht-Regierungsorganisationen
aufgerufen, über ihre Erfahrungen mit der Vergabepraxis einzelner
Förderungen zu berichten.
Der Bericht "Die Kommission könnte es besser machen“ - „The
Commission could do better“ - soll die Europäische Kommission
ermutigen, die Partnerschaft mit den Organisationen der
Zivilgesellschaft zu verbessern und die Finanzmittel der EU für
diese zugänglicher und besser nutzbar zu machen.
Die Erfahrungen der Nicht-Regierungsorganisationen zeigen, dass
die besonderen Bedingungen dieser Organisationen, zum Beispiel
deren dünne Personaldecke, fehlende Garantien oder geringe
Finanzausstattung besonders oft kleine und bedürftige NGOs von
einer Förderung ausschließen. Vor allem der hohe Aufwand für eine
Beantragung, für das Projektmanagement und die Berichterstattung
wirkt häufig kontraproduktiv. Vor allem aber die hohen
finanziellen Risiken, verursacht unter anderem durch die Gefahr
von prozentualen Kürzungen der Förderung nach der Endabrechnung,
Verzögerungen bei der Bewilligung und damit bei Projektbeginn
sowie bei der Auszahlung der Mittel, werden von NGOs als
häufigste Kritikpunkte genannt. Eine Ursache, so der Bericht, sei
die Erfahrung, dass die Umsetzung der Programme und
Haushaltslinien der EU für das Management von Projekten den
finanziellen Regularien und Implementierungsregeln der EU folgt,
dass diese jedoch in den Direktionen und Abteilungen ganz
unterschiedlich interpretiert werden. Zur Illustration beleuchtet
der Bericht einige Beispiele von konkreten „schwierigen Fällen“
in Kurzform.
Er macht außerdem zahlreiche Vorschläge, wie Abhilfe zugunsten
einer größeren Beteiligung von Organisationen der
Zivilgesellschaft geschaffen werden könnte:
- Die Kommission sollte die Organisationen der
Zivilgesellschaft mehr konsultieren und einen echte Partnerschaft
aufbauen. Viele Probleme, so der Bericht, ließen sich durch einen
frühzeitigen Austausch über die Finanzierungsregularien und
Umsetzungsregeln beheben. In der Folge sollten die Regeln klar
und einheitlich gestaltet werden.
- Die Technische Hilfe sollte verbessert werden, um die
Leistungsfähigkeit der Zuwendungsempfänger wie -geber für
Finanzmittel für die Zivilgesellschaft zu steigern. Der Bericht
empfiehlt hier vor allem die Einrichtung einer Abteilung, die
zentral Referenzen, Expertisen und gute Praxis für alle
Abteilungen, die Finanzhilfen gewähren, sammelt. Die
Zuwendungsempfänger wünschen sich so eine Stelle auch auf der
Seite der Nicht-Regierungsorganisationen.
- Es sollte ein Zuwendungssystem entwickelt werden, das die
Bedürfnisse von Organisationen der Zivilgesellschaft
verschiedener Größe und Sektoren berücksichtigt. Dieses System
sollte die Förderung des Managements, von Projekten und von
Entwicklung vorsehen. Eine Möglichkeit dafür wäre die Vergabe von
Globalmitteln. Vor allem aber müsse man sich von der Vorstellung
verabschieden, dass "ein Prinzip für alle" gleich geeignet sei.
- Das Verhältnis von Risiko und Verantwortung, also
Gestaltungsfreiheit und Kontrolle, sollte überprüft werden.
Checks und Kontrollen müssten der finanzierten Aufgabe angemessen
sein und sie müssten eher auf Vertrauen als auf Misstrauen
zwischen Kommission und Zivilgesellschaft basieren. Zwei
Änderungen würden dies maßgeblich bewirken: Die erste wäre, das
Risiko von Fehlern, die „im guten Glauben“ geschehen, zu
minimieren, indem die Regularien klar und ihre
Interpretationsmöglichkeit minimiert würden. Die zweite ist, von
den extremen Anforderungen an “Korrektheit” wegzukommen zugunsten
von Kriterien, die auf eine vernünftige Verbindlichkeit im Design
von Verträgen, Berichten, Prüfungen und Zertifizierungsprozessen
basieren.
- Zuwendungsregeln, finanzielle und administrative Prozeduren
sollten Abnehmer orientiert gestaltet werden. Der Bericht macht
dazu eine Reihe von Vorschlägen.
Die Kommission, das Parlament und der Rat stimmen darin
überein, dass eine überflüssige Bürokratie bei der Gewährung von
Fördermitteln zurückgefahren und vereinfacht werden sollte. Dafür
will die EU-Kommission im Frühjahr einen Vorschlag für die
Modifizierung der Finanzierungsregeln machen. In der Folge sollen
die Umsetzung der Förderungen beschleunigt und gleichzeitig der
Kommission eine ausreichende Kontrolle ermöglicht werden. Der
Bericht der GRÜNEN/EFA soll im Parlament bei der Anhörung der
Kommissionsvorschläge im Frühjahr vorgetragen und diskutiert
werden.