Die Schule spielt eine Schlüsselrolle in der politischen Erziehung von Jugendlichen. Das ist das Ergebnis einer gestern in Brüssel vorgestellten Studie über die politische Beteiligung von Jugendlichen. Deutschland präsentiert sich in der Untersuchung mit der politisch interessiertesten doch auch pessimistischsten Jugend.
Für die so genannte EUYOUPART-Studie wurden 8030 Jugendliche zwischen 15-25 Jahren aus acht europäischen Staaten (Deutschland, Österreich, Frankreich, Großbritannien, Italien, Slowakei, Finnland, Estland) zu ihrer politischen Einstellung befragt. Finanziert wurde das Projekt mit 1,3 Mio. Euro aus dem EU Rahmenprogramm für Forschung. (siehe auch EUYOUPART - Indikatorensystem zur Erforschung der politischen Partizipation junger Menschen in Europa
Jugendliche beurteilen das vorherrschende politische System zunehmend kritischer, das zeigen die Ergebnisse von EUYOUPART. Als soziale und politische Ausdrucksform gewinnt der politische Protest unter den Jugendlichen an Bedeutung.
Ein Großteil der europäischen Jugend zeigt kein Interesse an der Politik. Die vorliegende Studie gibt aber Anlass zu der Hoffnung, dass mit zunehmendem Alter auch das Politikinteresse der jungen EuropäerInnen steigt. Die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen hält die Wahlbeteiligung für die wirkungsvollste Form der politischen Partizipation, und ein vergleichsweise hoher Anteil nimmt ihr Wahlrecht auch in Anspruch.
Allerdings haben die Jugendlichen nur ein geringes Vertrauen in politische Parteien, auch wenn sich viele einer bestimmten Partei nahe fühlen. Das höchste Vertrauen wird NGO’s entgegengebracht, deren Einfluss und Bedeutung immer mehr zunimmt. Die Jugendlichen halten die Mitarbeit in NGO´s für wirkungsvoller als die Mitarbeit in politischen Parteien. Außerdem zeigen die Ergebnisse: Wer sich in der Schule politisch engagiert, wird das mit hoher Wahrscheinlichkeit auch im späteren Leben tun. Neben der Schule beeinflussen auch Familie und Freundeskreis sowie die Medien das politische Verhalten von Jugendlichen.
Pessimismus in Österreich und Deutschland
Ihre Zukunft nehmen die Jugendlichen äußerst unterschiedlich wahr: Während in Estland der Optimismus vorherrscht und in den anderen an der Studie teilnehmenden Ländern die Zukunft großteils positiv bewertet wird, macht sich in Deutschland und Österreich Pessimismus breit: Die Angst vor Verlust von Arbeit und Sozialleistungen ist hier groß.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Jugendlichen das vorherrschende politische System zunehmend kritischer beurteilen, aber nach wie vor ihre partizipativen Möglichkeiten im Rahmen der repräsentativen Demokratie wahrnehmen. Als soziale und politische Ausdrucksform gewinnt der politische Protest unter den Jugendlichen an Bedeutung. Neue soziale Bewegungen und neue politische Organisationen werden interessiert wahrgenommen und gegenüber den traditionellen bevorzugt, die Partizipation in diesem Rahmen ist im Steigen begriffen.
EUYOUPART (2003-2005) ist ein aus den Mitteln der EU-Kommission gefördertes länderübergreifendes Projekt. Ziel dieses Projekts war die Entwicklung eines neuen Messinstruments für das politische Partizipationsverhalten Jugendlicher in Europa.
Das Projekt wurde von einem ForscherInnen-Team aus acht Mitgliedsländern (u.a. Estland, Finnland, Frankreich, Italien, Österreich, Slowakei und Großbritannien) unter der organisatorischen und wissenschaftlichen Leitung des österreichischen Institute for Social Research and Analysis (SORA) umgesetzt. Aus Deutschland war das DJI (Deutsches Jugendinstitut) an dem Vorhaben beteiligt.