Wahr spricht, wer Schatten spricht: Europäisches Jugendforum schreibt "Shadow Report"

Das Europäische Jugendforum hat einen Bericht zu den Themen "Partizipation" und "Information" Jugendlicher in Europa veröffentlicht.

via Europäisches Jugendforum

Was um alles in der Welt ist ein "Schattenbericht", mag man sich fragen. Das Europäische Jugendforum jedenfalls hat einen geschrieben. Mit der Unterstützung der EU National Youth Council Member Organisations (NYCs), dem Europäischen Zusammenschluss der Jugendringe und Jugendräte, hat es sich zur Umsetzung der den beiden ersten gemeinsamen Zielsetzungen des Weißbuchs, Partizipation und Information der Jugendlichen, geäußert.

Es agiert damit im parallel zu der Aufgabe, die die Mitgliedstaaten im Zuge des Weißbuch-Prozesses übernommen haben, nämlich regelmäßig nationale Berichte für die Evaluation der Umsetzung der vier Gemeinsamen Ziele für die Jugendpolitik in Europa (Information, Partizipation, Freiwillige Aktivitäten und Größeres Verständnis von der Jugend) abzuliefern. Ein "Schattenbericht" ist also so etwas wie ein Begleitbericht und gleichzeitig ein indirekter Kommentar zu den Berichten der Mitgliedstaaten und der Kommission aus Sicht der Jugendorganisationen.

Der Schattenbericht zu den beiden ersten gemeinsamen Zielsetzungen des Weißbuchs, Partizipation und Information der Jugendlichen, bündelt die Bewertungen der nationalen Jugendorganisationen (zum deutschen Beitrag des DBJR siehe Mehr Partizipation? Fehlanzeige. Europäisches Jugendforum veröffentlicht Beitrag des DBJR zum "Shadow Report"). Das Jugendforum kritisiert, dass im Zuge des Weißbuchprozesses und zu Beginn der Offenen Methode der Koordinierung in vielen Ländern noch Beteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche eingerichtet wurden: Komitees, Partnerschaften oder andere Konsultationsmöglichkeiten. Nachdem jedoch die erste Phase vorbei gewesen sei, habe man diese weitgehend wieder abgeschafft. Weder für einen fortlaufenden Dialog noch für die Umsetzung der Gemeinsamen Ziele gebe es ausreichend Beteiligungsmöglichkeiten.

Als verschenkte Chance sieht der Bericht die Europäischen Jugendevents, die jede Präsidentschaft durchführt. Diese würden als einzelne Veranstaltungen unterschiedlich gestaltet und nicht als Möglichkeit genutzt, fortlaufend Jugendliche mit der Offenen Methode der Koordinierung zu beteiligen. Außerdem sei die Auswahl der beteiligten Jugendlichen, z.B. an der Europäischen Jugendwoche nicht adäquat. Statt Jugendliche einzuladen, die an durch JUGEND finanzierten Projekten beteiligt waren, müssten Jugendliche beteiligt werden, die mit europäischer Jugendpolitik zu tun haben.

Bezüglich des alten und neuen JUGEND-Programms bemerkt der Bericht, dass dieses nicht als Politikinstrument anzusehen sei, sondern nur als Förderinstrument. Wolle man es als Partizipationsinstrument nutzen, müssten Jugendorganisationen am Management der Nationalagenturen sowie an der Projektauswahl beteiligt werden.

Zum Thema Jugendinformation lobt der Bericht das Europäische Jugendportal und die Tatsache, dass es mehr und mehr nationale Jugendportale gebe. Allerdings sei es wichtig, Kriterien für die Qualität der Informationen zu generieren. Das Netzwerk der Nationalen Jugendportale und verschiedene andere Netzwerke wie Eurodesk, ERYICA oder EYCA arbeiteten an diesem Thema, wie die Europäische Jugendinformations-Charta zeige.

Hintergrund

Die Mitgliedstaaten hatten bis Ende 2005 nationale Berichte verfasst. Die Kommission hat Mitte Juli 2006 eine Mitteilung an den Rat zur europäischen Politik im Bereich der Beteiligung und Information von Jugendlichen veröffentlicht, in der sie auf diese nationalen Berichte Bezug nimmt (vgl. Umsetzungsberichte der Bundesrepublik Deutschland zu Information und Partizipation junger Menschen und Was haben sie getan? Kommission bewertet Maßnahmen der Mitgliedstaaten in den Bereichen Beteiligung und Information von Jugendlichen sowie Und was haben sie genau getan? Kommission veröffentlicht detaillierte Analyse der Nationalen Berichte zu Partizipation und Jugendinformation).

Dokumente