Über 500 Schülerzeitungsredakteure und junge Medieninteressierte diskutierten am 01. Juli in Brüssel mit Experten und Europaparlamentariern über die Rolle der Medien in Europa und über brennende politische Themen. Und sie stellten sich die Frage, wie man Europa jungen Leuten nahe bringen könnte.
Sogar auf den Plätzen der Abgeordneten im Europaparlament durften sie sitzen: Die Schülerzeitungsredakteure, die im Rahmen des JugendMedienEvents 2005 – einer jährlichen Veranstaltung der "Jungen Presse NRW" – am 1. Juli in Brüssel zu Besuch waren, trafen auf hochkarätige Gesprächspartner. Zur Bildungspolitik, zur Rolle der Regionen und Bundesländer in der EU oder zu Fragen von Umwelt und Verkehr, Wirtschaftspolitik, Verteidigungspolitik und zum Verfassungsvertrag gab es einzelne Gesprächsrunden und Workshops. Am "Puls der Macht" fragten die Jugendlichen hart nach und ließen sich unter anderem die Wege eines Gesetzes von der Initiative bis zur Verabschiedung erklären.
Lizzy Gröner MdEP und Dietrich Rometsch von der Generaldirektion Bildung und Kultur erläuterten Kompetenzen und Initiativen im Bildungsbereich. Lizzy Gröner forderte in diesem Zusammenhang, den Bildungsetat der EU auf 3 % des Gesamthaushaltes anzuheben: Es sei paradox, dass Bildung von der Politik als oberste Priorität propagiert werde, aber gleichzeitig die meisten Gelder in Agrarsubventionen flössen. Vor allem in dieser Runde wurde thematisiert, dass Jugendliche darunter leiden, im öffentlichen Diskurs häufig nicht erst genommen zu werden. Außerdem sollten nicht nur formale Bildungsleistungen gefördert werden, sondern andere Projekte und Events in den Fokus geraten, zum Beispiel das JugendMedienEvent. Eine Schülerzeitungsredakteurin bedauert, dass bei vielen Wahlen das Thema Europa vernachlässigt wird, und fragt sich daher: "Wie kann man Europa den Bürgern näher bringen?"
Sehr klarsichtig fragten die jungen Redakteurinnen und Redakteure nach den Zusammenhängen von europäischer Öffentlichkeit und dem schlechtem Image der EU. Über den Arbeitsalltag und optimale Bildungswege, aber auch den Einfluss von Korrespondenten auf die Europaberichterstattung wurde in der Arbeitsgruppe "Auslandkorrespondenten" lebhaft diskutiert. So war man sich einig, dass die nationalen Medien nicht ausreichend über Europapolitik berichten.
Ein Umstand, den zumindest die Schülerzeitungsredakteure lindern könnten. Denn, wie Nele Hansen als eine der Teilnehmerinnen schreibt: „Für die Schülerzeitungsredakteure bot sich während des Besuches eine hervorragende Möglichkeit, Europa hautnah zu erleben und so ganz automatisch ein ganzes Stück der EU besser zu verstehen.“ Ähnliches ahnend gab Carsten Klenke, Leiter des Europabüros der Sächsischen Kommunen, den Redakteuren zum Abschied auf den Weg: „Europa ist nicht Brüssel. Ihr seid Europa!“
Die Landesverbände der Jugendpresse Deutschland veranstalten bundesweit Jugendmediencamps, Recherchereisen, Seminare, Diskussionen und Wettbewerbe und gestalten Zeitungen und Magazine zu europäischen Themen. Realisiert werden viele Veranstaltungen und Projekte gemeinsam mit anderen Jugendpresseorganisationen aus der European Youth Press, die inzwischen 14 Länder umfasst. Unter dem Motto "Medien.Europa.Zukunft" stehen auch die diesjährigen Jugendmedientage, die vom 30. September bis 3. Oktober 2005 in Hamburg stattfinden werden.
Mehr Informationen unter: http://www.jugendmedienevent.de und http://europa.jugendpresse.de