Qualitätsdebatte: Neue europäische Anforderungen an die Jugendarbeit?

Die irische Präsidentschaft macht ernst: Jugendarbeit ist gut, soll aber noch besser werden.

„Das Potenzial der Jugendarbeit, zu den Politikzielen einschließlich sozialer Integration beizutragen, kann optimiert werden durch einen qualitätszentrierten und evidenz-informierten Ansatz, der junge Menschen in den Mittelpunkt einer Gestaltung und Umsetzung der Bereitstellung von Jugendarbeit stellt. (…) Qualitäts-Jugendarbeit ist ein umfassendes Thema, zum Wohl junger Menschen, zur Verbesserung der Praxis von Jugendarbeit und als Beitrag zu größeren politischen Zielen.“

Wie angekündigt, macht die irische Präsidentschaft ernst mit ihrem Plan, Qualitätsstandards für die Jugendarbeit etablieren zu wollen (siehe NEWS). Dafür legte sie den Entwurf einer Entschließung des Rates „Zum Beitrag einer Qualitäts- Jugendarbeit zu Entwicklung, Wohlergehen und sozialer Integration junger Menschen“ vor, den die Ratsarbeitsgruppe Jugend am 25. März beriet.

Was ist Qualitäts-Jugendarbeit?

„Qualitäts-Jugendarbeit“ wird in dem Entwurf schon weitgehend definiert. Grundlage ist die Definition von Jugendarbeit, die der EU-Jugendstratege entlehnt ist: „Jugendarbeit ist ein weiter Begriff, der eine große Bandbreite sozialer, kultureller, erzieherischer und politischer Aktivitäten von, mit und für junge Menschen meint. Mehr und mehr umfassen diese Aktivitäten auch Sport und Dienstleistungen für junge Menschen. Jugendarbeit zählt zum Bereich der ‚außerschulischen‘ Bildung.“ Sie bietet Entwicklungsräume und Möglichkeiten für alle jungen Menschen und basiert auf nicht formalem und informellem Lernen und freiwilliger Teilnahme. Betont werden die Vielfältigkeit der Formen und Settings sowie der Akteure von Jugendarbeit. Jugendarbeit sollte aber vor allem „effektiv“ sein und junge Menschen mit Fertigkeiten, Kompetenzen und Lebenserfahrungen ausstatten, um deren Entwicklung, Wohlergehen, Autonomie und soziale Integration zu verbessern.

Um das Potenzial der Jugendarbeit zu politischen Zielen wie einem größeren sozialen Zusammenhalt beizutragen, zu erhöhen, müsse Qualitäts-Jugendarbeit darauf bedacht sein, sich ihrer Qualität ständig zu vergewissern und stets das Optimum zu bieten. Dafür soll sie „qualitäts-konzentriert“, „evidenz-informiert“ und „outcome-orientiert“ sein. Gefordert wird eine klar definierte Platzierung von Jugendarbeit „im Kontinuum von Bildung und lebenslangem Lernen“, die ihren komplementären Charakter herausstelle. Ein Qualitätsansatz für die Jugendarbeit könne auch dazu beitragen, die Zugänglichkeit, Sichtbarkeit, Wirksamkeit und Effektivität, kurz den Stellenwert von Jugendpolitik zu erhöhen.

Umgekehrt soll Jugendpolitik für die Entwicklung einer Qualitäts-Jugendarbeit sorgen. Dafür wird vorgeschlagen, Qualitätsrahmen sowie Systeme für die Selbst- und Fremdevaluation einzurichten. Dies alles sowie eine engere Zusammenarbeit und der Wissensaustausch zwischen Politik, Forschung und Praxis soll zu einer kohärenteren Ausrichtung der Jugendpolitik durch Schwerpunktsetzung, einer besseren strukturellen Versorgung sowie einer besseren Praxis führen.

Alte Bekannte

Im irischen Papier treffen sich die Argumentationsstränge der letzten Jahre, die der deutschen Jugendarbeit spätestens seit der Bundesinitiative „Qualitätssicherung in der Kinder- und Jugendhilfe“ des Bundesjugendministeriums 1996 bis 2001 vertraut sind. Da klingen die positive Beschreibungen des Stellenwerts von Jugendarbeit (und Jugendsozialarbeit, diese ist im Begriff „youth work“ mitgemeint) gut, zugleich fragt man sich, wohin eine europaweite Qualitätsinitiative angesichts völlig unterschiedlicher Systeme und Traditionen führen kann.

Außerdem werden hier die Erwartungen an die Jugendarbeit im Hinblick auf Wirkungsnachweise sehr viel deutlicher, auch vor dem Hintergrund der Bemühungen, den Beitrag von Jugendpolitik (und ihrer Maßnahmen) zur Europa-2020-Strategie herauszustellen. Nicht zuletzt sollen sich die Überlegungen, sofern sich der Rat ihnen anschließt, in Förderbedingungen niederschlagen, auch in den kommenden EU-Programmen, mit denen dann vor allem eine „qualitätsbasierte und effektive Jugendarbeit“ gefördert werden soll.

(JUGEND für Europa)

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