Die Offene Methode der Koordinierung (OMK) ist im Rahmen des
Weißbuches "Neuer Schwung für die Jugend Europas" als
Politikinstrument in 2001/2002 eingeführt worden. Die AGJ, so das
aktuelle Papier, habe die Umsetzung der OMK insbesondere im
nationalen Kontext in den vergangenen Jahren kontinuierlich
begleitet und sieht diese Methode auch als sinnvolles Instrument
für die Politikgestaltung im Prozess der jugendpolitischen
Zusammenarbeit in Europa an.
Bereits im Juni 2005 hatte die AGJ mit einem ersten
Positionspapier zur Anwendung der OMK Jugendbereich auf sich
aufmerksam gemacht (siehe
News). Einige der bereits damals geäußerten Bedenken und
Vorschläge sind nach wie vor Bestandteil der vorliegenden
Stellungnahme.
Es sei, so die AGJ, erforderlich, die in Deutschland
festgestellten Probleme kritisch mit dem Ziel zu benennen und
aufzuarbeiten, die OMK zu einem in der Praxis der Jugendpolitik
angewandten und akzeptierten Instrument weiterzuentwickeln. Dazu
die wesentlichen Kritikpunkte in Kürze:
- Es ist bislang nicht gelungen, die OMK in den Strukturen der
Jugendhilfe in Deutschland integrativ zu verankern; sie wird nach
wie vor als aufgesetzte und neben den bestehenden Beteiligungs-
und Abstimmungsverfahren bestehende Methode verstanden. Der
relative Erfolg der OMK im Bereich des Themenfeldes
"Partizipation" ist auch darauf zurückzuführen, dass der
europäische Prozess dabei in einen in Deutschland laufenden
Diskurs eingebettet werden konnte.
- Die Befragungen im Rahmen der OMK werden in der Alltagsarbeit
als eine zusätzliche, eher "lästige" Aufgabe angesehen, da ihr
unmittelbarer Nutzwert nicht erkennbar ist.
- Die Methode leidet an Intransparenz. In Folge des knappen
zeitlichen Rahmens für die Beantwortung der entsprechenden Fragen
besteht für die Strukturen der Jugendhilfe in der Regel keine
hinreichende Gelegenheit, (öffentliche) Beteiligungsprozesse zu
organisieren und damit die inhaltlichen Aspekte des Weißbuches
"Jugend" in einem öffentlichen und transparenten Diskurs zu
entwickeln.
- Da es keine Verpflichtung gibt, die nationalen Berichte zu
veröffentlichen, ergibt sich keine Möglichkeit, über den
zusammenfassenden Bericht der Europäischen Kommission hinaus
detaillierte Kenntnis über die Situation in den Mitgliedstaaten
zu erhalten. Damit ist aber auch die Möglichkeit des "voneinander
Lernens" im Sinne von "Bestpractice" in erheblichem Maße
eingeschränkt.
- Es ist bislang geübte Praxis, in den Berichten an die
Europäische Kommission eine umfangreiche Darstellung und
Aufzählung positiver Leistungen im Sinne der Kinder- und
Jugendhilfe ohne umfassende kritische Reflektion darzustellen.
Diese "Leistungsschau" ist unverzichtbarer Bestandteil nationaler
Berichte und verhindert eine für den Diskussionsprozess
unverzichtbare Dynamik, auch jene Bereiche aufzuzeigen, in denen
eine Weiterentwicklung möglich und erforderlich ist.
Zur Verbesserung vor allem der eigentlich in der OMK fest
verankerten Partizipationsprozesse von relevanten
gesellschaftlichen Gruppen fordert die AGJ u.a. längerfristigere
Zeitfenster für eine sinnvolle Beteiligung sowohl junger Menschen
als auch einer interessierten Fachöffentlichkeit. Um einen
intensiven Austausch von bewährten Praktiken mit dem
Ziel, wechselseitige Lernprozesse hinsichtlich der Politik- und
Praxisansätze zu fördern, die bilaterale Übertragung zu
erleichtern sowie deren Wirksamkeit zu verbessern, schlägt die
AGJ die Übernahme des Peer-Review-Verfahrens vor, das schon im
Rahmen des EU-Aktionsprogramms zur Bekämpfung sozialer
Ausgrenzung mehrfach erfolgreich angewandt wurde.