Petra Kammerevert: "Die Vorschläge der Kommission können uns nicht zufrieden stellen"

Petra Kammerevert ist zur neuen Sprecherin der Sozialdemokraten im Kultur- und Bildungsauschuss des Europ. Parlaments gewählt worden. Mit den Verhandlungen zu den künftigen Bildungs- und Kulturprogrammen sieht sie schwierige Auseinandersetzungen auf den Ausschuss zukommen.

Mit der Wahl ist die Duisburgerin nun erste Ansprechpartnerin der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament für Bildung, Kultur, Medien, Jugend und Sport. Gerade jetzt wird auf den Kulturausschuss viel Arbeit zukommen, denn noch in diesem Jahr wird das Parlament über die zukünftige Ausrichtung aller Jugend- Bildungs und Kulturprogramme für den Förderzeitraum, von 2014 bis 2020 entscheiden.

Die Vorschläge der Kommission können uns nicht zufrieden stellen. Vor allem weil die bisher sehr erfolgreichen Programme wie beispielsweise "ERASMUS" und "JUGEND IN AKTION" nun einzig der Idee der wirtschaftlichen Fortentwicklung, des Wachstums und der Stabilität Europas untergeordnet werden und Menschen lediglich noch als Humanressource betrachtet werden. Es darf aber nicht allein um die wirtschaftliche Verwertbarkeit gehen, denn Bildung und Kultur sind Werte an sich. Ich werde mit meinen Kolleginnen und Kollegen alles dafür tun, dass auch in den neuen Programmen dieser eigenständige Wert deutlich wird und sich eine zu starke wirtschaftliche Betrachtungsweise ihrer Förderung verbietet", verspricht Petra Kammerevert, wohlwissend, dass den Abgeordneten hier schwierige Auseinandersetzungen mit der Kommission und dem Rat der EU bevorstehen.

ERASMUS, das europäische Programm für Studierendenmobilität blickt derweil auf eine 25-jährige Erfolgsgeschichte zurück. "Es gibt kein bekannteres EU-Programm, das so positiv in der Bevölkerung verankert ist, als ERASMUS. Es ist das größte internationale Austauschprogramm weltweit und von unschätzbarem Wert für die Verständigung zwischen Völkern und damit für die Friedensstiftung", würdigt Kammerevert das Jubiläum.

Das 1987 eingerichtete Programm hat bisher knapp 2,5 Millionen Studierenden ein Teilstudium oder Praktikum im europäischen Ausland ermöglicht, darunter 400.000 jungen Menschen aus Deutschland.

Zum Jubiläum sorggt sich die Abgeordnete aber auch um die Zukunft des Programms. "Es besorgt mich, dass die Struktur des erfolgreichen Programms, das bislang an einer klar umrissenen Zielgruppe ausgerichtet war, ab 2014 deutlich verändert werden soll. Nur wenn wir Nutzerfreundlichkeit, Transparenz und Klarheit über die Förderbedingungen beibehalten, wird ERASMUS auch künftig erfolgreich sein", ist Kammerevert überzeugt.

Der vorliegende Vorschlag der Kommission sieht vor, bisher voneinander getrennt geförderte Bildungsbereiche wie berufliche Ausbildung, Ausbildung an Hochschulen sowie informelle Bildung, etwa in der Jugendarbeit, ab 2014 zu einem einzigen Programm namens 'Erasmus für alle' zusammenzufassen.

"Jeder junge Mensch, der sich für eine Förderung aus EU-Mitteln interessiert, sucht doch zunächst geleitet von seinen individuellen Interessen. Dementsprechend müssen in der Neuauflage der Programme diese unterschiedlichen Interessenten auch zielgenau angesprochen werden", kritisiert Kammerevert den Kommissionsvorschlag.

(Quelle: NRW SPD, PM vom 24.01.2012)

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