19.03.2012Nicht formale Bildung

Noch ohne Empfehlung: Kommission veröffentlichte Konsultationsergebnisse zum nicht formalen Lernen

Die Akteure wollen mehr Anerkennung für die nicht formale und informelle Bildung, soweit die Ergebnisse der Online-Konsultation. Die EU soll dabei helfen, jedoch lässt die in Aussicht gestellte Empfehlung noch auf sich warten.

Welchen Stellenwert hat nicht formale und informelle Bildung in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union? Für wie wichtig hält man deren Anerkennung und Sichtbarmachung? Welche Rolle sollte die EU dabei spielen? Die Generaldirektion Bildung und Kultur hatte zu diesen und weiteren Fragen vom 1. Dezember 2010 bis zum 9. Februar 2011 eine Konsultation durchgeführt. Nun hat sie einen Bericht veröffentlicht, der die Ergebnisse zusammenfasst.

Die Kommission hat die Aufgabe, im Rahmen der Strategie Europa 2020 und der Flaggschiff-Initiative „Youth on the Move“ eine Empfehlung zu erstellen, wie nicht formales und informelles Lernen mehr Anerkennung und Wertschätzung erhalten kann. Die vorliegenden Konsultationsergebnisse sollten dieser Empfehlung als eine Grundlage dienen. Von zuständiger Seite ist zu hören, dass man mit Hochdruck an dem Text arbeite, sich aber auch der hohen Erwartungen bewusst sei, die an die Empfehlung geknüpft werden.

Die Konsultation sprach vor allem Nichtregierungsorganisationen, öffentliche und freie Träger sowie Einzelpersonen an, die in die Anerkennung nicht formaler und informeller Bildungsprozesse involviert sind. 469 Individuen beantworteten Fragebögen, unter den 24 Stellungnahmen befanden sich unter anderem das Europäische Jugendforum und der Europäische Beirat zum Youthpass. Aus Deutschland haben sich IJAB und „Auswärts zuhause“ mit eigenen Papieren beteiligt.

Die meisten Reaktionen kamen aus Frankreich, Portugal, Großbritannien und Deutschland. Die Kommissionn deutet dies als Indiz dafür, dass in diesen Ländern ein hochentwickeltes System der Anerkennung nicht formalen und informellen Lernens gebe. Eher ist anzunehmen, dass es in diesen Ländern einen hohen Organisationsgrad in der außerschulischen Bildung gibt und die Konsultationsanfrage der Kommission breit kommuniziert wurde.

Die Ergebnisse der Befragung sind angesichts der vorhersagbaren Fragestellungen wenig überraschend. Es herrscht Einigkeit, dass das Lernen in nicht formalen und informellen Settings wichtig ist, und zwar für Menschen jeden Alters und auf allen Kompetenzebenen. Vor allem wird es als geeignet angesehen, um die Persönlichkeitsentwicklung, aktive Bürgerschaft und Sozialkompetenzen zu fördern. Daneben glaubt die Mehrheit der befragten Personen und Organisationen, dass Schlüsselkompetenzen wie Unternehmertum, Führungskompetenzen, Teamfähigkeit und Problemlösungskompetenzen erworben werden. An dritter Stelle wird nicht formalem und informellem Lernen eine wichtige Rolle für den sozialen Zusammenhalt und den Kampf gegen Armut zugeschrieben. Demgegenüber, so die Meinung der Mehrheit der Antwortenden, wird dem „NFIL“ (Non-formal and Informal Learning) bei Arbeitgebern und in (formalen) Bildungseinrichtungen nicht die Relevanz zugebilligt, die ihm gebührt. 

Ebenfalls wenig überraschend halten die betroffenen Organisationen die Identifizierung und „Sichtbarmachung“ von Wissen, Fertigkeiten und Kompetenzen, die in nicht formalen und informellen Zusammenhängen erworben wurden, für wichtig. Mit einer über 80-prozentigen Zustimmung sehen sie es an erster Stelle als wichtigen Teil der Analyse eines individuellen Bildungs- und Fortbildungsbedarfs. Die Anerkennung sollte im Rahmen des Lebenslaufs oder eines Kompetenzpasses erfolgen, nicht durch eine Zertifizierung in formalen Bildungszusammenhängen. Zwei Drittel der Antwortenden glauben, dass in ihren Ländern keine geeigneten oder ausreichenden Systeme der Anerkennung gibt. Welche Rolle vorhandene Anerkennungssysteme und Instrumente in ihren Ländern spielen, können die meisten nicht sagen - wohl aber, wer den Fortschritt in Sachen Validierung ihrer Meinung nach aufhält. Hier werden an erster Stelle institutionelle Widerstände genannt, gefolgt von einem Mangel an Kommunikation und Informationen für potenzielle Nutzer, fehlendem Vertrauen in Validierungsprozesse und Ergebnisse, zu wenig Dialog und Kooperation zwischen den betroffenen Organisationen und Einrichtungen sowie einem Mangel an Hilfestellung und Unterstützung für individuelle Nutzer. Dagegen gibt es nach Ansicht der Befragten tendenziell ausreichend Methoden, Instrumente und finanzielle Ressourcen, um die Anerkennung nicht formalen Lernens voranzutreiben. Vor allem in den Bereichen Freiwilligenarbeit, für junge Menschen und am Arbeitsplatz gebe es Potenzial, um Anerkennungssysteme weiterzuentwickeln. 

Von der Europäischen Union erwarten alle Befragten Unterstützung. Dabei nennen sie vor allem drei Bereiche: Einmal sollte die EU dieses Thema in der Öffentlichkeit bekannt machen, den Austausch guter Praxis unterstützen und die Umsetzung praktischer Maßnahmen auf nationalen, regionaler und lokaler Ebene verstärken. An die zukünftige EU-Politik richten die Antwortenden viele Wünsche: So sollte die EU den Zugang zu Validierungsmöglichkeiten, vor allem für junge Menschen, verbessern, sie sollte das Lernen außerhalb formaler Bildungssettings stärken, und in den Bildungsbereichen, in denen NFIL eine besondere Rolle spielt, die Anerkennung und Qualifizierung des Personals fördern. Insgesamt sollte der Status und der Wert nicht formalen Lernens erhöht werden, es sollte für flexible Zugänge und Übergänge zwischen den Bildungsbereichen gesorgt und die Sichtbarkeit von Wissen, Fertigkeiten und Kompetenzen verbessert werden. Dafür müssten die Sozialpartner und Bildungsgremien systematischer einbezogen sowie das Qualitätsmanagement von Validierungsprozessen verbessert werden.

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