Ein neues "Weißbuch Sport" hofft auf seine integrative Wirkung für Jugendliche.
Die Europäische Kommission hat mit einem Weißbuch ihre erste umfassende Initiative im Sportbereich auf den Weg gebracht. Darin werden dessen wachsende gesellschaftliche und wirtschaftliche Rolle und sein Beitrag zu den strategischen Zielen Solidarität und Wohlstand der Europäischen Union betont. Auch das olympische Ideal des Sports - die Förderung von Frieden und Verständigung zwischen Völkern und Kulturen sowie die Erziehung der Jugend - wird hervorgehoben. Es soll eine strategische Ausrichtung der Rolle des Sports in Europa ermöglichen, eine Diskussion über bestimmte Probleme anregen, die Sichtbarkeit des Sports in der EU-Politik erhöhen und die Öffentlichkeit für die Bedürfnisse und Besonderheiten des Sportsektors sensibilisieren.
In dem mit dem Weißbuch vorgeschlagenen Aktionsplan wird unter anderem seine Rolle für die Integration junger Menschen erwähnt und die Nutzung des Programms JUGEND IN AKTION zur Förderung sozialer Integration durch den Sport sowie für die Prävention und die Bekämpfung von Diskriminierung, Rassismus und Gewalt im Sport empfohlen. Der Aktionsplan ruft auch dazu auf, das Programm für Freiwilligendienste im Sportbereich zu nutzen.
Außerdem sieht der Aktionsplan u.a. ein EU-Netzwerk für Bewegung und die Vergabe eines Europäischen Siegels an Schulen, die sich aktiv für die Unterstützung körperlicher Aktivitäten einsetzen, vor. Die Mitgliedstaaten werden aufgefordert, die politische Zusammenarbeit im Sportbereich durch eine verstärkte fortgeschriebene Tagesordnung, gemeinsame Prioritäten und regelmäßige Berichterstattung an die EU-Sportminister auszubauen. Vorgeschlagen wird zudem ein strukturierter Dialog mit Sportorganisationen, europäischen und nationalen Dachorganisationen und europäischen nichtstaatlichen Sportorganisationen.
Insgesamt zielt das "Weißbuch Sport" darauf ab, der Rolle des Sports in der EU eine strategische Ausrichtung zu geben. Es unterstreicht die gesellschaftliche und wirtschaftliche Rolle des Sports "bei gleichzeitiger Einhaltung des EU-Rechts". Letzteres ist ein wichtiger Punkt, denn bisher sind in den Verträgen für die EU keine Kompetenzen im Sportbereich festgelegt. Der zuständige EU-Kommissar, Ján Figel’, erklärte denn auch: "Die Umsetzung des Weißbuchs kann helfen, den Weg für künftige EU-Unterstützungsmaßnahmen im Sportbereich zu bereiten." Er spielt damit darauf an, dass auf dem letzten Europäische Ratsgipfel die Möglichkeit einer vertraglichen Bestimmung zum Sport angesprochen wurde. Das Weißbuch soll diesbezüglich "zu mehr Klarheit" für die betroffenen Akteure beitragen. Denn zum ersten Mal hat die EU-Kommission auch eine Bestandsaufnahme der Rechtsprechung des Europäischen gerichtshofes und der Kommissionsbeschlüsse im Sportbereich gemacht.
Das Weißbuch ist das Ergebnis ausführlicher Anhörungen der Sportorganisationen (z. B. Olympische Komitees und Sportverbände), der Mitgliedstaaten und anderer Akteure während der letzten beiden Jahre, einschließlich einer im Februar dieses Jahres eingeleiteten Online-Konsultation, auf die die Kommission 777 Antworten erhielt.
Das Weißbuch wird nun an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen übermittelt. Im Oktober wird die Kommission eine Konferenz veranstalten, um mit den Akteuren des Sportbereichs über das Weißbuch zu diskutieren.
Die Kommission hat eigene Internetseiten zum Sport eingerichtet.