Neu, unterschiedlich, spannend: Umsetzung der Offenen Methode der Koordinierung in Europa wurde untersucht

Im Auftrag des Europäischen Jugendforums untersuchte eine finnische Forschergruppe den aktuellen Stand der Umsetzung der OMK im Jugendbereich in Europa und die Beteiligung Jugendlicher in diesem Prozess.

via Europäisches Jugendforum

Die Forscherinnen und Forscher fragten

  • nach der Informationslage zur OMK,
  • nach den relevanten Akteuren und der Flexibilität in der Umsetzung,
  • nach Wirkungen, Transparenz
  • und nach der Notwendigkeit von Indikatoren für die Umsetzung der gemeinsamen Zielsetzungen im Jugendbereich.

Anhand von Fragebögen und thematischen Interviews lieferten Vertreterinnen und Vertreter von nationalen Ministerien, der Nationalen Jugendräte, von Nichtregierungsorganisationen sowie Forscherinnen und Forschern ihre Erfahrungen und Einschätzungen.

Obwohl die Informationslage zur OMK auf nationaler Ebene von 28% der Befragten als theoretisch gut eingeschätzt wird oder zumindest als "nicht gut, aber auch nicht schlecht" (33%), unterscheidet sie sich je nach Land teilweise extrem – in einigen Fällen wussten nicht einmal die angesprochenen Jugendräte von ihrer Existenz. Demgegenüber schätzen 50% der Befragten die Informationsmöglichkeiten auf europäischer Ebene als "sehr gut" und "gut" ein. Die Mehrheit meinte, dass die OMK "gegenseitiges Lernen" (70%) und "Sensibilität gegenüber nationaler Politik" (68%) befördere sowie die Möglichkeit eröffne, "von anderen Mitgliedstaaten zu lernen" (63%). Europaweit einheitliche Methoden oder klare Strukturen sind jedoch nicht zu erkennen.

Die Umsetzung ist in den Mitgliedstaaten höchst unterschiedlich und stark abhängig von deren politischen Strukturen und Traditionen. 85% schätzen Konsultationsprozesse mit Jugendlichen als eine gute oder exzellente Möglichkeit der Ausformung der gemeinsamen jugendpolitischen Ziele, Konferenzen und Meetings bevorzugen 70%, 68% plädieren für Jugendforschung. 40% der Vertreter von Ministerien und 95% der anderen Befragten meinen aber auch, dass es neben "gemeinsamen Zielsetzungen" auch gemeinsame Indikatoren für die Qualität der jugendpolitischen Maßnahmen geben sollte. Die Bandbreite unterschiedlicher Einschätzungen führt die Forscher zu der Schlussfolgerung, dass "Offenheit das Leitprinzip der OMK" sein sollte. Sie habe zumindest die Aufmerksamkeit auf die Jugend und auf jugendpolitische Fragen gelenkt und dafür bereits verschiedene Akteure auf unterschiedlichen Ebenen zusammengebracht.

Die Forschergruppe hatte ein besonderes Augenmerk auf die Frage, ob und wie die Partizipation von Jugendlichen umgesetzt werden kann. Anders als in anderen Bereichen gibt die OMK im Jugendbereich nur qualitative, keine quantitativen Ziele vor und wird die Implementierung der gemeinsamen Ziele nicht durch nationale Aktionspläne gewährleistet, die dann auf europäischer Ebene koordiniert werden. Diese Art der Unverbindlichkeit erschwert es, eine gemeinsame strategische und methodische Ausrichtung oder gar Standards zu identifizieren. Hinzu kommen terminologische Schwierigkeiten. Wenn Forschungsergebnisse davon sprechen, dass Jugendliche wenig an politischen Prozessen beteiligt sind, aber auch wenig interessiert daran sind, liegt es nahe zu hinterfragen, von welcher Art Beteiligung die Rede ist. Vielleicht, so der Einwand der Studie, werden die tatsächlich praktizierten Partizipationsaktivitäten vor allem im Bereich des "bürgerschaftlichen Engagements" durch die Perspektive der politischen Theorie und der empirischen Forschung nicht erfasst. Dieses kritische Hinterfragen ist spannend, zieht sich durch die Untersuchung und betrifft auch Differenzierungen des Begriffs "Jugend" und organisierter Partizipation (in Jugendorganisationen) oder "Active citizenship". Es verleiht der Studie einen besonderen Rang, weil sie Ausgangspunkt für weitere Anstrengungen sein kann, die Rede von "Partizipation" und ihre praktische Umsetzung in Europa zu differenzieren.

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