Läuten da Alarmglocken? Kommission schlägt Benchmarks für Mobilität vor

Ein Auslandsaufenthalt von mindestens 3 Wochen soll die Messlatte sein.

Für die bildungspolitische Zusammenarbeit in der EU wird gemessen. Jetzt auch Mobilität. Mit der Verabschiedung der Rund-um-Strategie „Europa 2020“ und der Leitinitiative „Youth on the Move“ wurde die „Mobilität zu Lernzwecken“ als ein Motor von Beschäftigung identifiziert und zu einem Hauptanliegen der EU, das nun quer zu allen existierenden Programmen und sektoralen Strategien Berücksichtigung finden soll.

Auch die Strategie im (formalen) Bildungsbereich „Education and Training 2020“, kurz „ET“ genannt, soll verstärkt auf die Schwerpunkte „Mobilität“ und „Beschäftigungsfähigkeit“ abzielen. Dafür sollen die vorhandenen fünf Benchmarks, auf die sich die Bildungsministerinnen und -minister im Rahmen der Offenen Methode der Koordinierung (OMK) im Bildungsbereich 2009 geeinigt hatten, erweitert werden. Ende 2010 erhielt die Kommission den Auftrag, dafür Vorschläge zu machen.

Benchmarks aufzustellen sei „ein Signal für die Entschlossenheit der EU, die Herausforderungen für den Bildungsbereich, wie sie in der Strategie Europa 2020 herausgestellt wurden, anzugehen“, zumal die beiden Bereiche „stark miteinander verbunden“ seien.

Die Vorschläge für Benchmarks für „Mobilität zu Lernzwecken“ und „Beschäftigungsfähigkeit“ liegen nun mit einem Arbeitspapier der Kommission vor. Vorgeschlagen werden eine Messlatte für die Beschäftigungszahlen von 20-34-Jährigen (Erhöhung von mindestens 5%) sowie eine Erhöhung des Anteils junger Menschen, die eine höhere Ausbildung abgeschlossen haben (Higher Education) und einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland absolvieren (bei einer Dauer von mindestens zwischen 2 und 3 Monaten). Auch mindestens 10 % der Absolventen einer beruflichen Ausbildung sollen einen Teil davon im Ausland erworben haben (Mindestaufenthalt 3 Wochen).

Und dann steht´s da: Nicht nur die Mobilität in formalen Bildungsgängen ist gemeint, sondern auch im Rahmen von Freiwilligenaktivitäten oder allgemein „nicht-formalen“ Lernkontexten: „Es wird ein Mindestaufenthalt von 3 Wochen im Ausland im Rahmen einer „strukturierten Aktivität“ des formalen oder nicht-formalen Lernens vorgeschlagen.“ Der Anteil aller junger Menschen zwischen 15 und 34 Jahren, die sich mindestens 3 Wochen zu Lernzwecken im Ausland aufgehalten haben, soll bis 2020 auf einen Anteil von 30% erhöht werden.

Da kann man jetzt nur spekulieren, ob das Alarmglocken sind, die da läuten. Sollte im Rahmen eines „integrierten Bildungsprogramms“, das auch das jetzige Jugendprogramm umfassen würde, Mobilitätsaktivitäten nur noch dann möglich sein, wenn sie drei Wochen dauern? Oder braucht man das Jugendprogramm, um die bis 2020 avisierten Zahlen zu erhöhen? Das Papier offenbart nämlich auch, dass JUGEND IN AKTION mit 17.000 Jugendarbeitern mehr Fachkräfte mobilisiert als LEONARDO DA VINCI (12.000 Ausbilderinnen und Ausbilder) oder GRUNDTVIG (10.000 Lehrkräfte).

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