„Internationale Jugendarbeit von Jugendorganisationen funktioniert nicht nach der Maßgabe von Regierungspolitiken oder Diplomatie.“

Jochen Rummenhöller, Referent für internationale Aufgaben beim DBJR

„Internationale Jugendpolitik und internationaler Jugend- und Schüleraustausch sind feste Bestandteile der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik.“ (Bundestagsbeschluss S.1). Wie bewerten Sie es, dass der Bundestag den Internationalen Schüler- und Jugendaustausch in der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik verankert?

Der Schüler- und Jugendaustausch war in der Vergangenheit vielfach Bestandteil von Kulturabkommen, die die Bundesrepublik Deutschland mit anderen Ländern abgeschlossen hat. Mittlerweile hat sich aber der durch den Kinder- und Jugendplan des Bundes geförderte Jugendaustausch weiterentwickelt und sich nicht zuletzt durch die immer engere europäische Zusammenarbeit von der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik emanzipiert. Demgegenüber gibt es leider im Auswärtigen Amt und bei den in diesem Feld tätigen Fachpolitiker_innen ein weitgehend fehlendes Interesse an Entwicklungen im Jugendaustausch außerhalb des Feldes, das nicht durch sie direkt verantwortet wird. Hier zeigt sich, dass eine enge Abstimmung der unterschiedlichen Ressorts der Bundesregierung nicht wirklich stattfindet. Bestätigt wird dies durch den Bundestagsbeschluss, der unter großem Zeitdruck und ohne wirkliche Einbeziehung anderer Fachausschüsse des Bundestags verabschiedet worden ist. Eine Qualifizierung des Antrags war anscheinend nicht gewünscht.

Auf der einen Seite ist es schön, wenn sich der Bundestag positiv zum Schüler- und Jugendaustausch positioniert. Hilfreicher wäre es aber gewesen, über den Tellerrand des engen Feldes des vom Auswärtigen Amtes oder des Deutschen Bundestags überblickten Austauschs zu schauen. Interessant ist auch, dass noch nicht einmal das im Koalitionsvertrag beschlossene Deutsch-Griechische Jugendwerk genannt wird, dabei wurde der Antrag von den Fraktionen der CDU/CSU und SPD eingebracht. So bleibt es bei einem Beschluss, der einige Programme und Träger im Feld des internationalen Schüler- und Jugendaustauschs aneinanderreiht, noch nicht einmal Organisationen wie ConAct, TANDEM oder die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch aufführt, aktuelle Mobilitätshindernisse im Austausch ignoriert (Visa-Informationssystem im Schengen-Raum) und besondere Herausforderungen zum Beispiel in der Beteiligung von jungen Migrant_innen und Flüchtlingen im Jugendaustausch ausspart. Vielleicht wäre auch eine klare Aussage zu einer Mittelerhöhung hilfreich gewesen, denn z.B. fehlen im deutsch-polnischen Jugendaustausch im Vorjahr des 25. Jahrestags der Gründung des Deutsch-Polnischen Jugendwerks erhebliche Mittel, die der Bundesfinanzminister für 2014 nicht freigegeben hat. Hier wäre eine klare Position von Abgeordneten hilfreich gewesen.

„Die internationale Jugendarbeit hat dabei das Ziel, gegenseitiges Verständnis junger Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturkreisen über die Auseinandersetzung mit jugendrelevanten Themen zu fördern, Toleranz zu stärken, Vertrauen zu schaffen und ein positives Deutschlandbild zu vermitteln.“ (…)„Dazu könnten durch die Einbeziehung des deutschen Auslandsschulwesens und der Goethe-Institute die Rahmenbedingungen geschaffen werden, um Jugendlichen aus der ganzen Welt das erfolgreiche deutsche Modell der dualen beruflichen Bildung näherzubringen.“ (Bundestagsbeschluss S.1 /2)

Wie bewerten Sie diesen Bezug auf Deutschland? Ergeben sich in der globalisierten, europäisierten Welt nicht andere Anforderungen?

Internationale Jugendarbeit von Jugendorganisationen funktioniert nicht nach der Maßgabe von Regierungspolitiken oder Diplomatie, sondern ihre Stärke liegt gerade darin, auf zivilgesellschaftlicher Ebene zu wirken, quasi unter dem Radar der Politik, manchmal diese subversiv beeinflussend. Vermutlich wäre auch ein Austauschprogramm außerhalb des Bereiches des Auswärtigen Amtes nicht förderfähig, wenn es als alleiniges Ziel die Vermittlung eines positiven Deutschlandbildes zum Inhalt hätte.

(Das Interview führte Dr. Helle Becker im Auftrag von JUGEND für Europa)

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