Die Gruppe "Jugendfragen", die die Treffen der
Jugendministerinnen und Minister auf EU-Ebene vorbereitet, hat
eine Überarbeitung der im Jahr 2003 beschlossenen "gemeinsamen
Zielsetzungen für die Partizipation und Information der
Jugendlichen" auf ihrer Sitzung am 8. September 2006 diskutiert.
Anlass war unter anderem die Mitteilung der Kommission an den Rat
zur europäischen Politik im Bereich der Beteiligung und
Information von Jugendlichen vom 20. Juli 2006. Die Kommission
hatte dafür alle nationalen Umsetzungsberichte analysiert. Sie
forderte darin einen kontinuierlichen, glaubhaften, konstruktiven
und besser strukturierten Dialog mit jungen Menschen und machte
Vorschläge für Anpassungen und Verbesserungen der Gemeinsamen
Zielsetzungen für die genannten Bereiche. Außerdem schlug die
Kommission konkrete Maßnahmen zur Strukturierung des Dialogs mit
Jugendlichen und zum Ausbau der offenen Koordinierungsmethode
vor.
Der vorliegende Entwurf berücksichtigt diese Vorschläge. Der
Entwurf hebt unter anderem hervor, dass
- eine sektorenübergreifende Jugendpolitik von größter
Bedeutung ist,
- die gemeinsamen Prioritäten der Jugendpolitik auf nationaler
Ebene Schwung verliehen haben und für die Förderung des
Bürgersinns bei Jugendlichen ausgesprochen wichtig bleiben,
- auf die Mitwirkung der Jugendlichen, der in der Jugendarbeit
und in Jugendorganisationen Tätigen sowie der Jugendforscher – in
ihrem jeweiligen Kompetenzbereich – bei den Diskussionen über
politikrelevante Jugendthemen nicht verzichtet werden kann,
- Jugendorganisationen eine Schlüsselrolle spielen,
- das Konzept der aktiven Bürgerschaft um wirtschaftliche und
technologische Aspekte erweitert werden sollte,
- die bereits bestehenden Formen der aktiven Bürgerschaft
genutzt werden sollten,
- die offene Koordinierungsmethode im Jugendbereich bei der
Ausarbeitung nationaler jugendpolitischer Programme und
Strategien und für eine bessere Umsetzung der gemeinsamen Ziele
stärker herangezogen werden sollte.
Als Konsequenz sollen unter anderem die Meinungen und Anliegen
der Jugendlichen in einem Top-down- und
Bottom-up-Konsultationsprozess ermittelt werden, der strukturierte
Dialog Bestandteil der politischen Beschlussfassung sein, ein
informelles Forum aus Vertretern der Jugend, des amtierenden und
des nachfolgenden Ratsvorsitzes, des Europäischen Parlaments und
der Kommission geschaffen werden sowie auch andere Initiativen, wie
den Plan D der Kommission für Demokratie, Dialog und Diskussion,
genutzt werden. Außerdem werden als prioritäre Themen bis 2009
vorgeschlagen: soziale Eingliederung und Vielfalt im Jahr 2007,
interkultureller Dialog im Jahr 2008 und Perspektiven für die
weitere Zusammenarbeit im Bereich Jugend im Jahr 2009.
Die Mitgliedstaaten sollen
- bis Ende 2006 diejenigen Aktionslinien für Beteiligung und
Information ermitteln, auf die sie sich konzentrieren wollen, und
konkrete Maßnahmen und/oder Aktionspläne für deren Umsetzung
festzulegen,
- ein Verfahren zur Vorbereitung und Nachbetreuung einführen,
um in Zusammenarbeit mit Jugendlichen, Jugendorganisationen,
Jugendforschern sowie lokalen und regionalen Behörden die
wirksame Umsetzung der gemeinsamen Ziele sicherzustellen,
- sich bei den regionalen und lokalen Behörden, den
Jugendorganisationen und der Jugend für die gemeinsamen
Zielsetzungen einsetzen und eng mit diesen zusammenzuarbeiten,
- bis Ende 2008 einen Evaluierungsbericht auszuarbeiten.
Die Kommission will eine jugendspezifische
Eurobarometer-Umfrage durchzuführen, europäische
Jugendinformationsnetze mobilisieren, regelmäßig eine Europäische
Jugendwoche organisieren, Treffen mit jungen Menschen organisieren,
die normalerweise keine Kontakte zu den EU-Organen haben.
Kommission und Mitgliedstaaten sollen außerdem mit diversen
Maßnahmen einen permanenten und strukturierten Dialog unterstützen
und dafür auch das neue Programm JUGEND IN AKTION einzusetzen.
Für die Umsetzung werden verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung
und Qualifizierung von Jugendinformationsdiensten vorgeschlagen;
für die Verbesserung der Beteiligung Jugendlicher die
systematische Einbindung in die Arbeit der
Beschlussfassungsorgane auf lokaler Ebene oder die Gewährleistung
einer systematischen Anhörung junger Menschen zu Fragen, die sie
betreffen, die unverzügliche Förderung der Entwicklung lokaler
Kinder- und Jugendinitiativen oder die Herabsetzung der
Altersgrenze für das aktive Wahlrecht auf 16 Jahre bei
Kommunalwahlen.
Erstaunlich ist, dass sich die Vorschläge zur "Unterstützung
verschiedener Formen des Erwerbs von Partizipationskompetenz"
erheblich reduziert haben. Dafür werden jetzt außerschulische
Lernmöglichkeiten für Jugendliche gefordert, die ihre Mitwirkung
an der Zivilgesellschaft erhöhen und die Verbindungen zwischen
Schule und Zivilgesellschaft, Jugendorganisationen und
städtischer Jugendarbeit verstärken. Außerdem soll es
Unterstützung bei der Entwicklung, Bewertung und Verbreitung der
besten Praktiken geben.
Die EU-Jugendminister werden sich voraussichtlich auf ihrer
Ratssitzung am 13./14.11.2006 mit dem Entschließungsentwurf
befassen.