Mit einem Paket von Dokumenten bereitet die Kommission die Ratssitzung der Bildungsminister zum Thema "Schulabbrecher" im Mai vor.
In der EU verlassen mehr als sechs Millionen junge Leute die allgemeine oder berufliche Bildung mit höchstens einem Abschluss der Sekundarstufe I oder weniger. Diese jungen Menschen haben große Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche, sind häufiger arbeitslos und öfter auf Sozialleistungen angewiesen. Der Schulabbruch behindert die wirtschaftliche und soziale Entwicklung und stört das intelligente, nachhaltige und integrative Wachstum, das die Europäische Union anstrebt, erheblich.
Obwohl fast alle Länder ihre Schulabbrecherquote seit dem Jahr 2000 gesenkt haben, gestaltet sich die Lage in den einzelnen Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich. So haben acht Mitgliedstaaten die Benchmark von 10 % bereits erreicht, nämlich Finnland, Litauen, Luxemburg, Österreich, Polen, die Slowakei, Slowenien und die Tschechische Republik. Andere Länder mit hohen Schulabbrecherquoten haben eine erhebliche Senkung ihrer Quote erreicht. Deutschland zählt nicht dazu. In drei Mitgliedstaaten aber liegt die Quote über 30 %: in Malta, Portugal und Spanien.
Das Problem: Beim Schulabbruch handelt es sich um ein komplexes Phänomen, dass nicht allein durch bildungspolitische Maßnahmen bewältigt werden kann. Wirksame Strategien zur Verringerung der Zahl der Schulabbrecher müssen neben der Bildungspolitik auch bei der Jugend- und Sozialpolitik ansetzen. Sie müssen zudem auf lokale, regionale und nationale Gegebenheiten zugeschnitten sein. Darüber hinaus sollten die Strategien Präventions-, Interventions- und Kompensationsmaßnahmen umfassen.
In einem ganzen Paket von Dokumenten legt die Kommission nun Zahlen, Daten, Fakten und einen Aktionsplan vor, mit dem die Mitgliedstaaten bei der Senkung der Schulabbrecherquote – einem Kernziel der Strategie Europa 2020 – unterstützt werden sollen. Angestrebt wird, die durchschnittliche Quote in der EU bis zum Ende des Jahrzehnts vom derzeitigen Niveau von 14,4 % auf unter 10 % zu senken.
Die neue Initiative der Kommission untersucht die Situation rund um den Schulabbruch in ganz Europa, fragt nach Hauptursachen und Risiken für die zukünftige wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung und schlägt wirksamere Lösungsansätze für diese Problematik vor. Dazu legte die Kommission die Mitteilung „Bekämpfung des Schulabbruchs – ein wichtiger Beitrag zur Agenda Europa 2020“ sowie eine Arbeitsunterlage der Kommissionsdienststellen zur Senkung der Schulabbrecherquote und – zur Einschätzung der möglichen Wirkungen einer entsprechenden EU-Politik – eine Wirksamkeitsanalyse als Zusatzdokument zur Ratsempfehlung vor. Der Kommissionsvorschlag für eine Empfehlung des Rates „für politische Strategien zur Senkung der Schulabbrecherquote“ enthält Leitlinien, mit denen die Mitgliedstaaten bei der Ausarbeitung einer umfassenden und auf einem faktengestützten Ansatz beruhenden Politik zur Senkung der Schulabbrecherquote unterstützt werden sollen.
Während der Tagung des Rates vom 2. bis zum 4. Mai 2011 in Brüssel werden die Bildungsminister den Vorschlag der Kommission diskutieren. Auf dessen Grundlage werden die Mitgliedstaaten dazu aufgefordert, bis Ende 2012 umfassende Strategien zu beschließen und diese über ihre nationalen Reformprogramme umzusetzen. Die Kommission ihrerseits wird Mittel über das Programm für Lebenslanges Lernen und das Forschungsrahmenprogramm bereitstellen, mit denen die Entwicklung innovativer Lösungen für diese Problematik gefördert wird. Darüber hinaus wird sie über den Europäischen Sozialfonds nationale und regionale Maßnahmen zur Verringerung der Anzahl der Schulabbrecher unterstützen.
(Quelle: EU-Kommission)
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