Man kann es nicht oft genug sagen. Nach diesem Motto hat die
Kommission ihre Mitteilung "Die demografische Zukunft Europas –
Von der Herausforderung zur Chance" vom Oktober 2006 nun als
Broschüre herausgebracht. "Die zunehmende Alterung der
Bevölkerung, das heißt die Erhöhung des Anteils älterer
Menschen", sei "eine der wichtigsten Herausforderungen, denen
sich die Europäische Union in den nächsten Jahren stellen muss."
Die nun noch einmal gepushte Mitteilung steht im Kontext einer
Reihe von ermahnenden Papieren. Vorausgegangen war das Grünbuch
"Angesichts des demografischen Wandels - eine neue Solidarität
zwischen den Generationen" von 2005 und die Mitteilung
"Europäische Werte in der globalisierten Welt". Es folgten im
Oktober 2006 die Mitteilung "Die demografische Zukunft Europas –
Von der Herausforderung zur Chance" und im Mai 2007 die
Mitteilung: Die Solidarität zwischen den Generationen fördern
(siehe NEWS
vom 15.05.2007).
Angesichts der Auswirkungen dieser Entwicklungen auf den
Arbeitsmarkt, die Produktivität
und das Wirtschaftswachstum, auf den Sozialschutz und die
öffentlichen Finanzen fordert die Kommission eine "globale
Strategie". Gemeint ist damit eine Strategie sowohl auf der Ebene
der EU als auch auf nationaler Ebene. Sie empfiehlt dafür fünf
politische Grundausrichtungen für ein neues Europa.
- Ein Europa, das die demografische Erneuerung begünstigt: Die
Mitgliedstaaten der Europäischen Union sollten auf den
Geburtenrückgang reagieren, indem sie a) die Ungleichheit der
Chancen von Bürgern mit Kindern und ohne Kinder verringern, b)
einen allgemeinen Zugang zu Hilfsleistungen für Eltern bieten,
insbesondere, was die Erziehung und Betreuung von Kleinkindern
betrifft, c) die Arbeitszeit so gestalten, dass Männern wie
Frauen bessere Möglichkeiten für lebenslanges Lernen und die
Vereinbarung von Privat- und Berufsleben geboten werden.
- Ein Europa, das Arbeit aufwertet, mehr Beschäftigung und ein
längeres aktives Leben von hoher Qualität ermöglicht: Die
Kommission empfiehlt ein Konzept des "aktiven Alterns", vor allem
eine Steigerung der Erwerbsquote von Frauen und Männern, die
älter als 55 Jahre sind. Dafür bedürfe es weit reichender
Reformen, um die Anreize für ein vorzeitiges Verlassen des
Arbeitsmarktes zu beseitigen und die Beschäftigung – unter
anderem durch "Lebenslanges Lernen" älterer Menschen zu fördern.
- Ein produktiveres und leistungsfähigeres Europa: Vor allem
die Lissabon-Strategie wird hier in den Mittelpunkt gestellt. Sie
soll die Arbeitsproduktivität der Europäer und die
Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft steigern. Die
zunehmende Alterung der Bevölkerung müsse in ihre
Innovationsstrategien einbezogen werden.
- Ein Europa, das auf die Aufnahme und Integration von
Migranten vorbereitet ist: Die Kommission fordert eine
abgestimmte Integrationspolitik, die Gestaltung legaler
Immigration und damit verbunden die Eingliederung der Zuwanderer.
- Ein Europa mit zukunftsfähigen öffentlichen Finanzen als
Garant eines angemessenen Sozialschutzes und des Ausgleichs
zwischen den Generationen. In den meisten Mitgliedstaaten seien
die öffentlichen Haushalte bei gleichbleibenden politischen
Rahmenbedingungen nicht zukunftsfähig. Nachhaltige Anstrengungen,
so die Kommission, seien im Hinblick auf eine
Haushaltskonsolidierung erforderlich. Dazu könne die Erhöhung der
Beschäftigungsquote beitragen, aber auch Rentenreformen.
Nicht die Alterung sei ein Problem, so heißt es am Ende der
Mitteilung. Das Problem liege vielmehr darin, dass man mit den
derzeitigen Strategien nicht in der Lage sei, sich auf die neue
demografische Situation einzustellen. Unternehmen und Bürger
zögerten, ihre Erwartungen und Verhaltensweisen zu ändern,
insbesondere im Hinblick auf einen modernisierten Arbeitsmarkt.
Dennoch gehe es "jetzt nicht darum, einen neuen Prozess
europäischer Koordinierung einzuleiten". Liest sich aber anders.
Dokumente
-
Europäische Kommission, Generaldirektion Beschäftigung, soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit, Referat E.1
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-
Mitteilung der Kommission KOM (2005) 94 endgültig.
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-
Mitteilung der Kommission, KOM(2007) 244 endgültig, Brüssel, 10.5.2007
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