20.11.2007Themen der Jugendpolitik

Europas soziale Wirklichkeit: Kommission initiiert Bürgerbefragung

Jetzt sollen die Bürger mal was sagen: Wie soll ihr Wohlergehen in einer globalisierten Welt gesichert werden? Ein Hintergrundpapier analysiert die soziale Realität in Europa.

via Europäische Kommission

Politische Forderungen und Programme, so wie „Growth and Jobs“ (Wachstum und Beschäftigung), die „Lissabon-Strategie“ und die Aufforderung zu mehr „Wettbewerbsfähigkeit“ – alles schön und gut, sagt ein Papier des BEPA (siehe NEWS vom 30.04.2007), des Büros der Europäischen Politikberater (Bureau of European Policy Advisers). Solche Programme seien jedoch nicht Selbstzweck, sondern sollten zum Wohlergehen der Bürgerinnen und Bürger in Europa beitragen. Diese hätten aber auch ihre eigenen Vorstellungen, zum Beispiel dass „Wohlergehen“ mehr ausmache als nur der materielle Lebensstandard. Im Gegenteil: Globalisierung, Liberalisierung und mehr Wettbewerbsfähigkeit wird von vielen Menschen als Bedrohung und weniger als Allheilmitte für die Zukunft angesehen. Warum ist das so?

In Europa finden dramatische gesellschaftliche Veränderungen statt: in der Art der Arbeit, im modernen Familienleben, bei den demografischen Trends, bei der Stellung der Frau in der Gesellschaft, bei der sozialen Mobilität und beim Auftreten von Armut und Ungleichheit. Werte wandeln sich und die Gesellschaft wird zunehmend multikultureller. Diese soziale Dynamik stellt uns vor neue Herausforderungen.

Das Papier des BEPA gibt viele Anhaltspunkte, nachzudenken. Es liefert Daten für Entwicklungen, analysiert Trends und zeigt auf, wie sich die soziale Realität in Europa verändert. Es macht aber auch Vorschläge, was als „soziale Qualität“ gemeint sein könnte. Das Papier dient als Hintergrundanalyse für eine breite Befragung der Bevölkerung durch die Kommission. Ziel ist es, eine allgemeine Debatte über die verschiedenen Ausprägungen der sozialen Wirklichkeit in Europa anzustoßen. Die Kommission will nach einigen Worten „zuhören und nicht mit politischen Optionen experimentieren“. Daher bleibt die Frage, welche Rolle - wenn überhaupt - politische Konzepte der EU dabei spielen sollten, völlig offen.

Gesucht werden Meinungen zu derzeitigen sozialen Trends darüber, was heutzutage zum „Wohlergehen“ beiträgt. Zu einigen wenigen, aber prägnanten Fragen zum Hintergrundpapier (Stimmen Sie der Analyse des Papiers zu? Verfügen Sie über zusätzliches Zahlenmaterial, das die Thesen belegt bzw. widerlegt?) und allgemeinen Fragen (Was ist unter ‚Wohlergehen’ zu verstehen? Was brauchen wir abgesehen von materiellen Besitztümern für ein glückliches und zufriedenes Leben? Welches sind Ihrer Ansicht nach die Hauptgründe, die heutzutage dem Wohlbefinden in Europa abträglich sind?) werden den Bürgerinnen und Bürgern vor allem Fragen zu den Zukunftsperspektiven in Europa gestellt: Was muss getan werden, um die lebenslangen Bildungschancen generell zu verbessern? Wie sieht auf dem modernen Arbeitsmarkt die richtige Mischung zwischen Sicherheit am Arbeitsplatz und neuen beruflichen Chancen aus? Was kann getan werden, um Paaren, bei denen beide verdienen, dabei zu helfen, Arbeit, Familie und Freizeit besser unter einen Hut zu bringen? Wer kommt angesichts der gestiegenen Lebenserwartung für die älteren Menschen auf und wer kümmert sich um sie? Warum sind Armut und speziell Kinderarmut in Europa immer noch ein relativ weit verbreitetes Phänomen?

Die Beiträge sind bis spätestens 31.12.2007 bei der Kommission einzureichen. Die Kommission veröffentlicht Beiträge von Einzelpersonen auf ihren Webseiten zwar anonym, aber so, wie sie eingegangen sind. Daher sollten die Beiträge keine vertraulichen Informationen enthalten.

Mehr Infos auf der Webseite der Kommission.

Dokumente

  • Europe´s Social Reality

    A Consultation Paper from the Bureau of European Policy Advisers, by Roger Liddle and Fréderic Lerais
    Dieses PDF-Dokument mit dem Dateinamen "background_document_en[1].pdf" ist 240,67 kB groß.
  • Investing in youth: an empowerment strategy.

    Leanda Barrington-Leach, Marcel Canoy, Agnès Hubert, Frédéric Lerais* Bureau of European Policy Advisers (BEPA), April 2007
    Dieses PDF-Dokument mit dem Dateinamen "Investing_in_Youth_25_April_fin.pdf" ist 1,89 MB groß.