01.09.2005Nicht formale Bildung

Einer für alle? - Entwurf eines Europäischen Qualifikationsrahmens steht zur Diskussion

Um die Anerkennung von Lernleistungen europaweit vergleichbar und nutzbar machen zu können, stellt die Europäische Kommission den Entwurf eines "Europäischen Qualifikationsrahmens für Lebenslanges Lernen" zur Diskussion.

via BBJ-News, Europäische Kommission

Der Europäische Qualifikationsrahmen für Lebenslanges Lernen (European Qualifications Framework / EQF) wurde von den Regierungschefs der EU auf der Tagung des Europäischen Rates in Brüssel im März 2005 gefordert. Das vorliegende Arbeitspapier der Kommission stellt nun die Grundlage für einen ausführlichen Konsultationsprozess dar, an dem die 32 Staaten beteiligt werden, die am Arbeitsprogramm "Education and Training 2010" teilnehmen, politische Entscheidungsträger, die Europäischen Sozialpartner, die wichtigsten Europäischen Verbände, Nicht-Regierungsorganisationen und Netzwerke und die Europäischen Wirtschaftsverbände. Die Ergebnisse des Konsultationsprozesses, der bis Ende Dezember 2005 läuft, werden für den endgültigen formalen Vorschlag der Kommission zum EQF berücksichtigt, der 2006 vorgelegt werden soll.

Ziel ist es, ein Europäisches Rahmenwerk zu etablieren, das es erlaubt, nationale und sektorale Qualifikationssysteme in Europa aufeinander zu beziehen - womit wiederum die Übertragung und Anerkennung der Qualifikationen der Bürger erleichtert wird. Das Rahmenwerk soll drei Elemente umfassen:

  1. gemeinsame, auf der Grundlage von Lernergebnissen festgelegte Referenzpunkte, die in einen Rahmen mit acht Bezugsebenen eingeordnet würden;
  2. ein unterstütztendes Instrumentarium, das auf den Bedarf einzelner Bürger abgestimmt ist (integriertes europäisches Leistungspunktesystem für lebenslanges Lernen, Europass-Konzept, die Datenbank Ploteus für Lernangebote in ganz Europa);
  3. einen Europäischen Qualifikationsrahmen, der gemeinsame Grundsätze und Verfahren beinhaltet, die als Leitlinien für die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren auf verschiedenen Ebenen dienen würden – insbesondere in den Bereichen Qualitätssicherung, Validierung, Beratung und Schlüsselkompetenzen.
Rahmen und Referenzpunkte berücksichtigen Kenntnisse, Fertigkeiten sowie persönliche und fachliche Kompetenzen, das heißt auch solche, die in nicht-formalen und informellen Zusammenhängen erworben werden.

Die vorliegende Arbeitsunterlage stellt ein schon ausgearbeitetes System vor, in dem anhand von acht verschiedenen Stufen unterschiedlich hohe Qualifikationsgrade definiert werden können. Über die Zuordnung vorhandener (oder zu erarbeitender) nationaler Qualifikationsdefinitionen können dann nationale Standards miteinander verglichen werden. Ein Beispiel: Weist man in Schweden der "Påbygnadsutbildning " (eine Art technischen Fachhochschulausbildung) das EQF-Level 4 zu, kann man es vergleichen mit der irischen "Post Secondary Education at national level 6 (Advanced certificate)", die ebenfalls dem EQF-Level 4 zugewiesen wurde. Das Arbeitspapier definiert bereits probehalber die einzelnen Stufen zumindest formal, so dass man einen Eindruck beispielsweise davon erhalten kann, welche übergeordneten Schlüsselkompetenzen als bedeutend erachtet werden.

Der Erfolg eines Europäischen Qualifikationsrahmens hängt von seiner Relevanz und Glaubwürdigkeit für Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen, Arbeitgeber, politische Entscheidungsträger und schließlich die einzelnen Lernenden ab. Mitgliedstaaten und Akteure müssen davon überzeugt werden, dass ein europäischer Meta-Rahmen erforderlich ist und - indirekt und direkt - zu lebenslangem Lernen beitragen kann.

Wer an der Konsultation teilnehmen will, kann sich auf den entsprechenden Seiten der EU-Kommission registrieren lassen. Unter dem angegebenen Link wird auch eine Präsentation bereitgestellt, die der zuständige EU-Kommissar Figel' beim informellen Treffen der EU-Bildungsminister im Juli 2005 in London genutzt hatte.

Mehr zum Thema finden Sie auch auf den Seiten des BIBB (Bundesinstitut für Berufsbildung).

Dokumente