Mit der ersten "Nationalen Engagementstrategie", die das
Bundeskabinett am 6. Oktober beschlossen hat, will die Regierung
den Grundstein für eine zwischen Staat, Wirtschaft und
Zivilgesellschaft besser aufeinander abgestimmte
Engagementförderung in Deutschland und für eine aufeinander
abgestimmte Engagementförderung aller Ressorts legen. Ziel ist
es, "einen Nährboden zu schaffen, auf dem bürgerschaftliches
Engagement in seiner ganzen Vielfalt an Motiven und
Ausgestaltungsmöglichkeiten gedeihen kann".
Mit der nationalen Engagementstrategie verfolgt die
Bundesregierung vier strategische Ziele:
- eine bessere Abstimmung engagementpolitischer Vorhaben von
Bundesregierung, Ländern und Kommunen,
- die Einbindung von Stiftungen und des bürgerschaftlichen
Engagements von Wirtschaftsunternehmen,
- eine größere Anerkennung und Wertschätzung der Leistungen von
freiwillig Engagierten,
- bessere Rahmenbedingungen für das freiwillige Engagement.
Bürgerschaftliches Engagement sei aber auch ein Kernthema der
Zukunft Europas, so die Bundesregierung. Einigung und Stärkung der
europäischen Bürgergesellschaft seien Grundlage des europäischen
Integrationsprozesses. Deshalb nehmen europäisch ausgerichtete
Vorhaben einen großen Platz in der langen Reihe von geplanten
Aktivitäten der Bundesregierung ein, zum Beispiel:
- Die Bundesregierung hat sich die Umsetzung der
EU-Jugendstrategie 2010 – 2018, in der die Partizipation junger
Menschen ein wesentlicher Bestandteil ist, in Deutschland zum
Schwerpunkt für die nächsten Jahre gesetzt. In einem
strukturierten Dialog werden Jugendliche in diesem Kontext an der
Gestaltung von Politik und Gesellschaft beteiligt "und zwar in
einer Form, die nicht zufällig oder in unverbundenen Einzelevents
erfolgt, sondern strukturiert und langfristig orientiert".
- Gleichzeitig sollen im Rahmen der Umsetzung der
EU-Jugendstrategie mit einem zentralen Event Berlin 2012 junge
Menschen aus Deutschland und den EU-Mitgliedstaaten gemeinsam
über europäische politische Jugendthemen in den Diskurs treten.
Das Festival soll zu einem Höhepunkt für bestehende oder neue
Kooperationen der internationalen Jugendarbeit werden.
- Im Rahmen der jugendpolitischen Zusammenarbeit der EU strebt
die Bundesregierung eine verstärkte Unterstützung der Mobilität
junger Freiwilliger durch eine verbesserte Zusammenarbeit
zwischen den zuständigen staatlichen und nichtstaatlichen Stellen
in den Mitgliedstaaten an. Dabei spielt der verbesserte
Informationstransfer zwischen den Multiplikatorinnen und
Multiplikatoren in den Mitgliedstaaten ebenso eine Rolle wie die
Erreichung neuer Zielgruppen, insbesondere Jugendliche mit
erhöhtem Förderbedarf.
- Darüber hinaus will die Bundesregierung neue Möglichkeiten
des grenzüberschreitenden Austausches für junge Freiwillige, aber
auch Freiwilliger aller Generationen, mit unseren unmittelbaren
Nachbarstaaten prüfen. So plant sie die Aufstellung eines neuen
"Auslandsjugendfreiwilligendienstes". Der neue
Jugendfreiwilligendienst soll jungen Frauen und Männern als
Bildungs- und Orientierungsjahr offen stehen und hohen
pädagogischen Qualitätsanforderungen unterliegen. Die jungen
Menschen sollen interkulturelle, gesellschaftspolitische und
persönliche Erfahrungen in einer anderen Kultur sammeln. Der neue
Auslandsdienst soll in enger Abstimmung mit den Trägern der
Jugendfreiwilligendienste entwickelt werden und bestehende
außenkulturpolitische und entwicklungspolitische
Freiwilligendienste wie "kulturweit" und "weltwärts" ergänzen.
- Das "Europäische Jahr 2011 der Freiwilligentätigkeit zur
Förderung der aktiven Bürgerschaft" will die Bundesregierung zum
Anlass nehmen, einen regelmäßigen Meinungs- und
Erfahrungsaustausch zum bürgerschaftlichen Engagement zwischen
den Mitgliedstaaten zu initiieren. Zur Umsetzung des Jahres ist
die Durchführung einer Konferenzreihe mit voraussichtlich acht
Veranstaltungen in ganz Deutschland geplant. Sie soll mit
möglichst breiter Beteiligung der verschiedenen Akteure relevante
Fragen vertieft bearbeiten und so die Vernetzung der Akteure
unterstützen und zugleich inhaltliche Impulse zur
Weiterentwicklung im Bereich Freiwilligenarbeit leisten.
- Bürgerschaftliches Engagement ist ein eigener Bildungsort,
den die Bundesregierung anerkennen will. Neben den diversen
KJP-Programmen, die das Strategiepapier auflistet, vermerkt es
auch, dass die Bundesregierung „die Bildungspotenziale zur
Entwicklung und Stärkung der Engagementbereitschaft in den
bestehenden Bildungseinrichtungen fördern“ wolle. Sie müssten
sich für Engagement öffnen. Die Bundesregierung will in
Abstimmung mit den Ländern und Kommunen hierzu einen Beitrag
leisten.
Die Bundesregierung ist laut Bundestagsbeschluss vom 19. März
2009 aufgefordert, einmal pro Legislaturperiode einen
wissenschaftlichen Bericht einer Sachverständigenkommission samt
eigener Stellungnahme vorzulegen, der jeweils auf einen Schwerpunkt
konzentriert die Entwicklung des bürgerschaftlichen Engagements in
Deutschland darstellt. Der erste Engagementbericht der
Bundesregierung, der dem Deutschen Bundestag in dieser
Legislaturperiode übergeben werden soll, hat neben einer
Bestandsaufnahme zur Lage und Situation des bürgerschaftlichen
Engagements in Deutschland das Schwerpunktthema "Bürgerschaftliches
Engagement von Unternehmen".
Dokumente
-
Berlin, 6. Oktober 2010
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