09.11.2004Soziale Integration

Bericht zur sozialen Lage der Europäischen Union veröffentlicht

Der Jahresbericht 2004 über die soziale Lage in Europa macht deutlich: Die Union wird sich auch weiterhin mit einer schnell alternden und schrumpfenden Bevölkerung auseinander setzen müssen.

via Europäische Kommission

Die Alterung wird eine der größten Herausforderungen für die EU der 25 sein. Obwohl die Bevölkerung in den meisten neuen Mitgliedstaaten aufgrund höherer Geburtenraten in den 70er und 80er Jahren sowie einer geringeren Lebenserwartung jünger ist, ist der Verjüngungseffekt begrenzt und nur vorläufig. Langfristig wird der Trend in der EU zu einer Alterung der Gesellschaft durch die Erweiterung nur noch beschleunigt, da die meisten neuen Mitgliedstaaten bereits heute extrem niedrige Geburtenraten verzeichnen.

Dies ist ein Ergebnis, zu dem der fünfte Jahresbericht über die soziale Lage in Europa kommt. Der Bericht deckt zum ersten Mal die erweiterte EU mit 25 Mitgliedstaaten ab. Er wird seit dem Jahr 2000 jährlich veröffentlicht und bietet einen vorausschauenden Überblick über die soziale Dimension in der Europäischen Union als Hintergrund für die Fortentwicklung der Sozialpolitik. Der diesjährige Bericht versucht, das Bild von der sozialen Dimension der erweiterten Union zu zeichnen, wobei sowohl die sich entwickelnden sozialen Trends als auch die neu entstehenden politischen Herausforderungen betrachtet werden.

Er thematisiert auch den Lebens- und Bildungsstandard in der EU. Beide sind in der Folge der Erweiterung gesunken. Fast jeder dritte Einwohner von EU-25 verdient weniger als 75 % des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens; zwei Drittel der Betroffenen leben in den neuen Mitgliedstaaten und machen dort etwa 95 Prozent der Bevölkerung aus. Gleichwohl sind relative Armutsniveaus moderater in den neuen Mitgliedstaaten im Vergleich mit EU-15.

Die Beschäftigungsmöglichkeiten hängen eng mit dem Bildungsstand zusammen. Dieser ist auf individueller Ebene eng mit dem sozioökonomischen Status und damit dem Lebensstandard verbunden. Personen mit höherem Bildungsstand weisen die höhere Erwerbsquote auf, eine höhere soziale Eingliederung und eine gesündere Lebensführung. Auf gesellschaftlicher Ebene (Unternehmen und Institutionen) ist der Bildungsstand mit Produktivität, Innovation, Wirtschaftswachstum und sozialem Zusammenhalt verbunden. So bedeutet ein zusätzliches Ausbildungsjahr den jüngsten Studien zufolge möglicherweise insgesamt weitere 6,2 % an Produktivitätszuwachs.

Unbestritten ist das Bildungsniveau der Bevölkerung in den letzten dreißig Jahren beträchtlich gestiegen. 2002 besaßen 77 % der jungen Menschen im Alter zwischen 20 und 24 Jahren in der Union mit ihrem derzeitigen Gebietsstand (EU-25) einen Abschluss der Sekundarstufe II. Gleichzeitig verließen jedoch 17 % der 18-24-Jährigen das Bildungssystem bestenfalls mit einem Abschluss der Sekundarstufe I. Hier weisen vor allem die Zahlen der entwickelten Industriestaaten wie Deutschland auf überraschend schlechte Bedingungen hin. So lag in Deutschland der Anteil von Schulabbrechern im Alter von 18 bis 24 Jahren, der höchstenfalls die Sekundarstufe I abgeschlossen hat und nicht an einer Aus- und Weiterbildungsmaßnahme teilnimmt, bei ca. 13 %. 9,3 % der Kinder und Jugendlichen im Alter bis 17 Jahren leben in erwerbslosen Haushalten. In 55% der erwerbslosen Haushalte, die von Armut bedroht sind, leben abhängige Kinder. Dennoch lag Deutschland bei den öffentlichen Ausgaben für Bildung nach den Zahlen von 1999/2000 auf dem 17. Platz – hinter Estland (3. Platz) oder Litauen (8. Platz).

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