Die für Jugend zuständigen „Generaldirektoren“, d.h. die in den
Ministerien zuständigen Abteilungsleitungen, aus Frankreich,
Tschechien, Schweden, Spanien und Deutschland haben ein
gemeinsames Schreiben zur Zukunft der jugendpolitischen
Zusammenarbeit in Europa verfasst und an ihre Kolleginnen und
Kollegen in den anderen Mitgliedstaaten und der Kommission
gerichtet. Darin werden gemeinsam Anregungen für die anstehende
Debatte zur neuen EU-Jugendstrategie 2009 gegeben.
Damit gibt es - nach dem Europ. Pakt für die Jugend - wieder eine
postalische Initiative einiger Mitgliedstaaten. Dabei sind die
vier Länder, die bereits 2004 die Verabschiedung eines
„Europäischen Pakts für die Jugend“ vorgeschlagen hatten, sowie
die anstehende tschechische Präsidentschaft. Die Initiative ging
von Deutschland aus, die französische Präsidentschaft hat dies
gern aufgriffen und umgesetzt.
Eigentlich ist der Konsultationsprozess geregelt und in vollem
Gange: Im Moment arbeitet die EU-Kommission daran, die jeweiligen
nationalen Vorschläge zur Zukunft der jugendpolitischen
Zusammenarbeit zu sammeln und zu sichten. Ob die
GeneraldirektorInnen hier nun der Kommission vorab einige
Hilfestellung leisten oder die Initiative erst garnicht aus der
Hand geben wollten, sei dahingestellt, die konkreten Vorschläge
ähneln auffällig der von der deutschen Regierung in den
Konsultationsprozess eingebrachten Bewertung der
jugendpolitischen Zusammenarbeit. Es finden sich auch Anregungen
wieder, die von deutschen Trägern beim 8. Forum zu Perspektiven
Europäischer Jugendpolitik gegeben wurden (siehe
NEWS):
- Die bisherigen Instrumente - die jugendpolitischen
Prioritäten, die Offene Methode der Koordinierung (OMK), den
Europäischen Jugendpakt – sollen zu einem einzigen
jugendpolitischen Rahmen, der alle jugendpolitischen Schwerpunkte
umfasst, „verschmelzen“.
- Zur Umsetzung eines zielgerichteteren Arbeitsmodells solle
man sich auf eine begrenzte Anzahl an „Hauptzielen"
konzentrieren, welche alle eng auf die Gesamtziele des Vertrags
der EU ausgerichtet sind.
- Für eine zielgerichtetere Politik solle man Altersgruppen
definieren, welche die Zielgruppe der europäischen Zusammenarbeit
auf dem Gebiet der Jugend darstellen.
- Berichte der Mitgliedstaaten innerhalb des neuen Rahmens
könnten verschlankt werden, indem sie sich auf die Hauptziele
konzentrieren. Das Berichterstattungsverfahren könnte
transparenter gestaltet werden, indem man allen Mitgliedstaaten
den Zugang zu den Berichten erleichtert, so dass diese
zielgerichtet untersucht und diskutiert werden können.
- Eine Plattform, auf der sich sowohl die Akteure einschlägiger
Projekte als auch Entscheidungsträger nationaler, lokaler und
regionaler Organisationen und Behörden untereinander austauschen
können, könne dazu beitragen, die richtigen Wirkungen von
Entscheidungen und Debatten auf europäischer Ebene zu
identifizieren.
- Durch Förderung eines solchen Austauschs und Bereitstellung
eines Rahmens für seine Vorbereitung, Implementierung und
Evaluierung könnte das Programm JUGEND IN AKTION zur Entwicklung
von Prioritäten im Bereich der Jugendpolitik beitragen.
- Ein Schwerpunkt der Verfahren könnte der alle drei Jahre
erstellte Europäische Jugendbericht sein, der Informationen
verschiedener EU-Verfahren, Daten von Jugendforschungsnetzwerken
und Erfahrungen der Mitgliedstaaten zusammenbringen könnte.
- Der Strukturierte Dialog könnte einen maßgeblichen Beitrag
leisten, wenn er in Form eines vernünftigen
Konsultationsmechanismus mit klaren Zielen und realistischen
Vorgehensweisen in den neuen Rahmen integriert wird, so dass er
Kontinuität und eine kohärente Nachverfolgung gewährleistet.
- Durch das Instrument der Triopräsidentschaften könne der Rat
ein zusammenhängendes Arbeitsprogramm zur Halbzeit auf der
Grundlage der vereinbarten Ziele durchführen. Gleichzeitig
sollten die Triopräsidentschaften die Freiheit haben, besondere
Schwerpunktthemen einzubringen, damit dem Jugendbereich klarere
„politische" Konturen verliehen werden.
- Das Profil des Rates als politische Antriebskraft hinter der
Zusammenarbeit sollte verbessert werden, indem er an maßgeblichen
Entscheidungen beteiligt wird, welche mit dem neuen Rahmen
getroffen werden müssen. In seiner Beziehung zu anderen
Ratsformationen sollte der „Jugendrat" auch ein Hauptakteur eines
verbesserten Verfahrens der systematischen Berücksichtigung der
Jugend werden, z.B. indem heutige Erkenntnisse über junge
Menschen ausgetauscht werden und indem er als Unterstützung und
Partner für den Dialog dient.
- Auf der Ebene der praktischen Zusammenarbeit sollte man mit
dem Europarat so effizient wie möglich zusammenzuarbeiten.
Damit bliebe es - zumindestens bis 2013 in unveränderter Form
- bei JUGEND IN AKTION als einzigem gemeinsamen europäischen
Umsetzungsinstrument. Was angesichts der bisherigen Erfahrungen in
der Umsetzung der "Weißbuch-Ziele", der Anforderungen an den
Strukturierten Dialog und den vor allem im Zusammenhang mit dem
Pakt geforderten Querschnittsansatz Jugendpolitik von regionaler
und lokaler Ebene zu erwarten sein kann, steht noch in den Sternen.
Dokumente
-
aus Tschechien, Frankreich, Spanien, Deutschland, Schweden an die Mitgliedstaten und die Europäische Kommission
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