06.04.2011Nicht formale Bildung

Am Köcheln: Europarat und EU-Kommission nehmen neuen Anlauf zur Anerkennung des nicht formalen Lernens

Ein Papier skizziert die gegenwärtige Situation und fordert eine Neubelebung der Diskussion.

Bemerkenswert ist zunächst der Autorenpool: Das Arbeitspapier „Pathways 2.0 towards recognition of non-formal learning/education and of youth work in Europe“ wurde von der Koordinierungsstelle für die Partnerschaft zwischen Kommission und Europarat im Jugendbereich (partnership) zusammen mit den SALTO Training and Co-operation Resource Centre, dem Europäischen Jugendforum und den für Jugendpolitik zuständigen Abteilungen in der EU-Kommission und im Europarat erarbeitet.

Das Papier vollzieht in mühevoller Kleinarbeit den politischen Werdegang und die Verbindungen zum `Lebenslangen Lernen´ nach und formuliert unter anderem die Hoffnung, dass die Umsetzung des Europäischen Qualifikationsrahmens in den Mitgliedstaaten, die Bestandsaufnahme „European inventory on validation of non-formal and informal learning“ der CEDEFOP oder die Richtlinien "EuropeanGuidelines on Validation" der EU-Kommission und der CEDEFOP dafür entsprechende Qualitätsrahmen bieten könnten.

Es knüpft dabei an die ersten Anerkennungsversuche nicht formalen Lernens in der Schlussdeklaration des 5. Treffens der europäischen Jugendminister im Europarat 1998 bzw. dem EU-Weißbuch Jugend aus dem Jahr 2001 an. Die beinahe deprimierend lange Liste von Beschlüssen sowohl auf der Ebene des Europarates wie der Europäischen Union, in denen die Relevanz nicht formalen und informellen Lernens hervorgehoben und seine gesellschaftliche und politische Anerkennung gefordert wird, dokumentiert die äußerst langwierige, wenn auch stete Entwicklung des Themas, an der das Programm JUGEND IN AKTION wesentlichen Anteil hat. Immerhin wurde das einzige spezifische Instrument der Anerkennung auf europäischer Ebene – der Youthpass – im Rahmen des Programms entwickelt und eingesetzt.

Allerdings sind sich die Autoren zweier Schwierigkeiten und Gefahren bewusst: Einmal ist das Feld der Jugendarbeit, dem sie das nicht-formale Lernen zuschreiben, äußerst divers in Bezug auf Professionen, Methoden, Zugänge, Instrumente und Prioritäten. Und dann besteht bei allen Versuchen, nicht-formales und informelles Lernen zu validieren und zu zertifizieren auch die Gefahr der „(Über-)Formalisierung" von Aktivitäten in der Jugendarbeit. Weder dürfen diese hierarchisiert werden, noch deren Effekte allein als Schlüsselkompetenzen für einen Arbeitsmarkt funktionalisiert werden. Letzteres, da macht man sich wohl keine Illusionen, wäre aber der Zugang zu Finanzmitteln, welche zunehmend unter die Richtschnur von Wirtschaftsstrategien gestellt werden.

Diesem Dilemma scheint man nur schwer entrinnen zu können. Denn die Stärke des Sektors - Vielfalt - ist auch seine Schwäche, der Mangel an Standardisierung. Jugendarbeit gleicht in der Gesamtsicht auf ihre europäische Praxis eher Hühnerhaufen als bewusst designten „Bildungsprogrammen“, wie das Papier fordert. Kein Wunder, dass am Ende die Empfehlungen bekannt klingen: Mehr Kommunikation wird ebenso gefordert wie ein ganzheitliches Bildungsverständnis, eine gemeinsame Begriffs- und Verständnisbasis ebenso wie „klare Mandate, Zeitpläne und gewollte Ergebnisse“.  Die Suche nach einem gemeinsamen Nenner und nach einer abgestimmten Strategie, die Neubelebung des politischen Prozesses – auch im Hinblick auf die gerade abgelaufene Konsultation der EU-Kommission zu diesem Thema - und ein sektorübergreifender Ansatz bleiben daher mehr denn je erstes und oberstes Ziel auch eines Anerkennungsweges „2.0“.

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