Alles auf Linie: Arbeitsgruppe macht Vorschläge für „Jugendindikatoren“

Indikatoren sollen die Verständigung über europäische Jugendpolitik fördern.

Mit dem Erneuerten Rahmen für die jugendpolitische Zusammenarbeit in Europa wurde die Einrichtung einer Arbeitsgruppe beschlossen, die die existierenden Daten zur Situation junger Menschen und den möglichen Bedarf für die Entwicklung von Indikatoren für den Jugendbereich diskutieren sollte. Das Ergebnis dieser Arbeit der 60 Experten aus 25 Mitgliedstaaten plus Norwegen liegt nun vor.   

Es geht schon damit los, dass `Jugend´ ein relativer Begriff ist. In den Mitgliedstaaten der EU jedenfalls gibt es keine Einigkeit, wer ab wann und wie lange dazu gehört. Aber um jugendpolitische Entscheidungen „evidenzbasiert“ zu treffen, zur Aufstellung und Überprüfung von gemeinsamen Zielen und Benchmarks, für die Vergleichbarkeit von Jugendberichten und auch, um sich sektorübergreifend verständlich zu machen, wäre es hilfreich, wenn man immer über die gleiche Sache spräche: Was meint man mit „sozialer Integration“, „Partizipation“ oder „Beteiligung an Kultur“?

Das „Dashboard“ für Indikatoren, eine Art `Instrumententafel´, die nun vorgelegt wurde, soll dieses „einheitliche Verständnis für die allgemeine Lebens- und Arbeitsituation von jungen Menschen“ schaffen. Der Vorschlag beinhaltet Indikatoren für alle Aktionsbereiche der neuen Jugendstrategie. Angefangen von einer Definition von `Kind´(0-14 Jahren) und `Jugendlicher´ (15-19, 20-24 und 25-29 Jahren) werden jeweils 2-5 Indikatoren für acht Bereiche vorgeschlagen. Für einige arbeitet man bereits jetzt mit gemeinsam festgelegten Indikatoren:

  • Bildung und Ausbildung (Schulabbrecherquote, die Zahl der „low achievers“, was die "schlecht Abschneidenden" laut PISA-Tests meint sowie die Rate der höheren Bildungsabschlüsse)
  • Beschäftigung und Unternehmertum (Jugendarbeitslosigkeit absolut und im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung, die Zahl der Selbstständigen und derjenigen, die sich gern selbstständig machen möchten, die Zahl der jungen Menschen mit befristeten Arbeitsverträgen)
  • Gesundheit und Wohlergehen (die Zahl der Raucher, Übergewichtigen, die Alkoholmissbrauchsrate und Anzahl der Selbstmorde)
  • Soziale Integration (Armutsrisiko, Armut, das Leben in Haushalten mit Arbeitslosen oder Geringbeschäftigten, unzureichende gesundheitliche Versorgung, NEETs - Young people not in employment, education or training)

Für andere Bereiche müssen Indikatoren erst gefunden werden. Und wenn man schon bei den bereits existierenden Zweifel anmelden kann, ob sie belastbar sind, dürften die Bauschmerzen bei den Indikatoren für die bisher undefinierten Bereiche größer werden:

  • Kultur und Kreativität (Mitgliedschaft in künstlerischen Amateurgruppen, die Teilnahme an kulturellen Aktivitäten, die Teilnahme/Mitgliedschaft in Sportclubs, Freizeit- oder Jugendclubs sowie kulturellen Organisationen und das Lernen von mindestens zwei Fremdsprachen)
  • Jugendpartizipation (Mitgliedschaft in politischen oder gemeinwesen- und umwelt-orientierten Nicht-Regierungs-Organisationen, die Beteiligung von jungen Menschen in lokalen, regionalen, nationalen und europäischen Wahlen, die Zahl der 18-30-Jährigen im Europaparlament, die Zahl der jungen Menschen, die das Internet für den Kontakt mit Behören nutzen, und die Zahl der Jugendlichen, die das Internet für Meinungsäußerungen zu öffentlichen oder politischen Fragen nutzen)
  • Freiwilligenaktivitäten (Teilnahme an organisierten Freiwilligenaktivitäten, ehrenamtliches Engagement im Gemeinwesen, Anteil junger Menschen, die an freiwilligen Aktivitäten im Ausland teilnehmen und der Anteil junger Leute, die eine formale Anerkennung für Freiwilligenaktivitäten erlangt haben)
  • Jugend und die Welt (die Anzahl junger Menschen, die sich in Nicht-Regierungs-Organisationen engagieren, die für den globalen Klimawandel eintreten, für Entwicklungshilfe oder Menschrechte sowie die Anzahl junger Menschen, die an Aktivitäten teilgenommen haben, bei denen auch Jugendliche aus anderen Kontinenten beteiligt waren).

Noch ist offenbar nicht daran gedacht, die Mitgliedstaaten darauf zu verpflichten, ihre eigenen Datenerhebungen umzustellen. Denn die Daten sollen vor allem die Eurostat-Umfragen liefern. Eurostat sammelt schon jetzt die Angaben für bereits existierende Indikatoren. Neue Indikatoren könnten durch die so genannten „Flash Eurobarometer“, ad-hoc-Umfragen, zum Beispiel alle vier Jahre, hinzukommen. Die Arbeitsgruppe jedenfalls wird weiterarbeiten und das Dashboard jährlich überprüfen.

Dokumente

  • On EU indicators in the field of youth

    European Commission, Commission Staff Working Document SEC(2011) 401 final, Brussels, 25.03.2011
    Dieses PDF-Dokument mit dem Dateinamen "sec401_en.pdf" ist 77,8 kB groß.

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